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Kluft

Die verschiedenen jugendlichen Wandergruppen zeichneten sich durch ihre Kleidung, die "Kluft" aus. Das hierbei zu beobachtende Formenensemble war zu - zumindest Beginn des Dritten Reiches - durchaus vielfältig:

Zur Kleidung der "Navajos" etwa zählten häufig schwarze kurze Hosen, karrierte Hemden, weiße Socken, halbhohe Stiefel, schwarze Kletterwesten, Halstücher und Skimützen. Außerdem trugen sie oft Arm- und Kraftriemen mit Toten- oder Hirschkopfplaketten, während die "Kittelbachpiraten" eher Totenkopfringe oder kleine Holzschühchen am Koppel bevorzugten. Die Koppelschlösser, die auch Bestandteil der HJ-Uniformen waren, wurden verfremdet und in Köln etwa mit dem Wappen der Zigarettenmarke "Güldenring" von "Haus Neuerburg" geschmückt. In Köln-Kalk trugen Jugendliche die Metallbuchstaben "KN" an ihren Mützen, was als Abkürzung für "Kalker Navajos" stand.

Das Edelweißabzeichen, zur Weimarer Zeit ein wichtiges Erkennungszeichen der "Wilden Cliquen", tauchte nach 1933 unter den regionalen Gruppen dagegen zunächst nicht gehäuft auf, sondern wurde zu diesem Zeitpunkt eher von den traditionellen Alpenvereinen als Symbol genutzt.

Die Gruppen der "wilden Wanderer", Navajos und Kittelbachpiraten, so resümiert Alfons Kenkmann in seiner umfangreichen Studie, hätten auf diese Art und Weise ein "spezifisches Formenensemble" entwickelt, das ihre jeweilige Clique schon äußerlich einerseits von der Erwachsenenwelt, andererseits aber auch von anderen jugendlichen "Teilkulturen" unterschieden habe. Über gemeinsame Kleidung, Abzeichen und Grußformen sei wie über Lieder und bestimmte Treffpunkte eine Gruppenidentität geschaffen und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt.

Dabei wirkte der vereinnahmende Zugriff der Hitlerjugend auf das gesamte gesellschaftliche Leben bei einer solchen "Tendenz zur Vereinheitlichung des subkulturellen Formenensembles" verstärkend. HJ-Uniform und Gruppenkluft, so Kenkmann mit Blick auf den Zeitraum bis 1936/37, hätten sich gegenseitig bedingt: "Wie der überzeugte HJler sein Braunhemd, trug der Cliquenjugendliche 'Navajohemd' und kurze Lederhose."



 

Juli 1937: Verbot des Tragens HJ-Uniform-ähnlicher Kleidungsstücke
5. September 1937: Großes Navajo-Treffen auf Kirmes in Rösrath
1. Juni 1938: Neue Richtlinien für den HJ-Streifendienst

Gruppen
Navajos (Georgsplatz)