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Heinz R.

Als jüngstes Kind von 5 Geschwistern besuchte R. die Volksschule und machte anschließend eine Lehre bei dem Installateurmeister Peter Müller in Köln-Ehrenfeld. Er arbeitete dann etwa 3 Monate bei einem Lindenthaler Installateur und wurde am 10.2.1944 zur Wehrmacht eingezogen. Wegen eines Wachvergehens war er zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Weil er die Strafe nicht absitzen wollte, meldete er sich freiwillig zur Front. Er kam zu einem Grenadier-Ersatz-Bataillon nach Köln und war in der Barbara-Kaserne in Köln-Riehl untergebracht.

Seit 1933 war er im Jungvolk, seit 1941 in der HJ.

Bei den Ermittlungen gegen die Steinbrück-Gruppe geriet der Grenadier Heinz R. in das Visier der Gestapo. R. hatte Kontakt zu Bartholomäus Sch., den er noch aus der Hitlerjugend kannte.

Zu Kontakten nach Edelweißpiraten befragt, sagte R. vor der Gestapo aus: "Ich selbst bin früher wiederholt zum Stadion und habe dort verschiedene Edelweißpiraten angetroffen, mit denen ich mich des öftern unterhalten und zusammengesetzt habe, während sie auf ihren Klampfen musizierten. Von ihnen sind mir ein Werner Kr., wohnhaft Reichsstr. und ein "linker Tiröler" bekannt, dessen richtiger Name mir nicht bekannt geworden ist. Von ihnen habe ich auch Guitarre spielen gelernt. Soweit ich mich erinnern kann, wurden jedoch keine Edelweisslieder, [...] gesungen sowie Schlager gespielt. Einen engeren Kontakt habe ich mit diesen Jungen jedoch nie gehabt und bin auch nie mit auf Fahrt gewesen". Der "linke Tiröler" (Fritz D.) und Werner Kr. gehörten zu den Edelweißpiraten vom Leipziger Platz, gegen die von der Kölner Gestapo 1942/43 ermittelt wurde.

Im Ermittlungsbericht schreibt Kommissar K., dass sich R. regelmäßig in der elterlichen Wohnung des Sch. aufgehalten habe: "Dort lernte er dann auch B. und Rh. kennen. Er wußte von B. und Rh., daß sie sich als "Edelweißpiraten" betätigten. Bei einem Besuch in der Wohnung des Sch. lernte er dort auch Steinbrück kennen. Sch. hatte ihn bereits bei früheren Gelegenheiten um die Beschaffung von Waffen gebeten und ihm dafür eine gute Bezahlung in Aussicht gestellt. Als er am 1.10.1944 jetzt auch von Steinbrück um die Beschaffung von Waffen angegangen wurde, sagte er ihm die Beschaffung zu. Da Rh. und Sch. ihm erzählten, sie seien von Schanzarbeiten am Westwall flüchtig geworden, erklärte er, Deserteur zu sein."

R. war am 10.10.1944 bei der Amokfahrt durch Köln-Ehrenfeld dabei, als L. aus dem fahrenden PKW auf Passanten in der Subbelratherstraße geschossen habe. Im Ermitttlungsbericht heißt es hierzu: "Die Fahrt wurde dann fortgesetzt, um einen Oberstaatsanwalt H. und weitere Personen in ihren Wohnungen aufzusuchen und zu "beseitigen". Die in Aussicht genommenen Personen wurden nicht gefunden. Jetzt fuhr man in die Nähe der Schönsteinstraße. R. erhielt von Steinbrück den Auftrag, festzustellen, ob vor dem Hause Schönsteinstraße 7 ein Posten stehe. Er begab sich mit dem Karabiner dorthin." R. flüchtete mit B. und Sch. bei der Schießerei in der Schönsteinstraße zu Fuß in die Gartenlaube am Blücherpark: "Jetzt erfuhr R., daß die Bande sich von Einbrüchen ernährte, und die beabsichtigte Befreiung der Braut des Steinbrück - Cilly S. - Anlaß zur Schießerei in der Schönsteinstraße war. [...] In der gleichen Nacht ist Steinbrück mit B. und L. erneut fortgegangen, um im Lebensmittelgeschäft Stüssgen in Köln-Lindenthal einen Einbruch auszuführen. Gegen Morgen kamen die 3 Personen mit Lebensmitteln, darunter 1 Ztr. Butter zurück. [...] R. wird von Steinbrück beauftragt, einen PKW aus der Lichtstraße zu holen, wo die Polizei auf ihn wartet. Er kann zwar flüchten, stellt sich dann aber freiwillig.

In der abschließenden Bewertung der Gestapo heißt es zu R.: "Obwohl er bei der Aushebung des Unterschlupfs in der Gartenlaube am Blücherpark der Polizei gute Dienste geleistet hat, hätte er - wenn er nicht mit den Handlungen der Bande zunächst einverstanden war - bereits am 1.10.1944 nach der Schießerei in der Schönsteinstraße von der Bande abrücken und Anzeige erstatten können.



 
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Kütter, Ferdinand