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Hermann K.


Bis zu seinem 14. Lebensjahr besuchte Hermann K. die Volksschule, um danach als Arbeiter bei der Firma Scheffer zu beginnen. Hier verdiente er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung wöchentlich 15 RM.

Von 1932 bis 1935 war Hermann K. Mitglied der HJ. Er sei, so sagte er vor der Gestapo aus, damals lange Zeit krank gewesen und "dann anschließend nicht mehr zum Dienst gegangen", da er daran kein Interesse mehr gehabt habe. "Das Interesse litt dadurch, dass ich erst stellvertretender Fähnleinführer war und später immer neue Jgg. vorgesetzt erhielt, während ich selbst immer weiter zurückgedrängt wurde." Dem sinkenden Engagement in der HJ folgte alsbald der Ausschluss.

Nach seinem Ausschluss aus der HJ, also vermutlich im Jahr 1935, schloss sich Hermann K. den St. Georgs-Pfadfindern an. Hier sei er, so seine Aussage vor der Gestapo im Oktober 1937, "nur kurze Zeit tätig" gewesen. Letztmalig sei er vor etwa einem Jahr mit anderen Gruppenmitgliedern zusammengekommen. Mit ehemaligen Pfadfindern treffe er heute höchstens noch zufällig zusammen. "Unter den Gruppen der sog. Navajos ist keiner, von dem ich wüsste, dass er einmal bei den St. Georgspfadfindern gewesen ist." Lediglich der zur Waidmarkt-Gruppe zählende Hans R. habe seine frühere Mitgliedschaft in dieser Organisation einmal angedeutet.

Mit den Jugendlichen vom Georgsplatz sei er, so Hermann K. in seinem Verhör, nach dem Umzug seiner Eltern zum Waidmarkt vor etwa drei Monaten erstmals zusammen getroffen. Seitdem sei er "fast regelmäßig abends" dorthin gegangen. Er habe bald gemerkt, dass es sich "um eine Clique besonderer Art" handelte, "zumal sie sich selbst 'Nerother' nannten, oder auch 'Navajos'."

Hermann K. traf sich mit der Gruppe nicht nur am Waidmarkt/Georgsplatz, sondern unternahm mit ihr auch Fahrten, wobei Rösrath offenbar ein bevorzugtes Ziel war.

Nach Aktenlage war Hermann K. bereits vor seiner Verhaftung am 18. Oktober 1937 einmal festgenommen und der Gestapo vorgeführt worden, wobei er erklärt haben soll, "von jeder bündischen Betätigung abzulassen". "Hierbei wurde eine Klampfe beschlagnahmt, auf der das Zeichen der aufgelösten Pfadfinder angebracht ist."

Er habe sich, so K. vor der Gestapo, am 13. Oktober 1937 zwar am Waidmarkt aufgehalten, jedoch keine Scheiben eingeworfen.

Im Gestapo-Hausgefängnis im EL-DE-Haus sang er gemeinsam mit dem in der Nachbarzelle inhaftierten L. das Navajo-Lied "Wir lagen vor Madagaskar", u.a. auch die umgedichtete Strophe

"So ging es uns vor Madagaskar,
den Navajos zur See;
die Pest, die konnte uns nicht schrecken,
denn unser Glaube siegt."

Einen Grund für diesen in Augen der Gestapo natürlich hochprovokativen Akt vermochte er nicht anzugeben. Er sagte lediglich aus, "dass wir aus Zeitvertreib sangen, nicht etwa um herausfordernd zu sein".

Nach der Vernehmung wurde Hermann K. im Polizeigefängnis Klingelpütz inhaftiert. Am 16. Dezember 1937 wird er vom Kölner Sondergericht zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt, die allerdings durch die Untersuchungshaft abgegolten waren. Das Gericht führte zu seiner Person aus: "Der Angeklagte K. war von 1932 bis 1935 in der HJ, seit seiner Schulentlassung ist er in der Markthalle tätig. Er läßt sich dahin ein, im Frühjahr 1937 einmal mit Sch. im Volksgarten gewesen zu sein, wobei er eine Klampfe mitgenommen habe. Es seien dann auch noch andere Jungen und auch Mädchen gekommen, die zugehört hätten. Später hätten sie ihren Treffpunkt zum Georgsplatz verlegt, wo sie Kinolieder und auch Fahrtenlieder gesungen hätten, die ihm zum Teil schon vom Appellhofplatz bekannt gewesen seien, wo er früher ‚ein Mädchen' zu treffen pflegte. Er habe einige Fahrten mitgemacht, und zwar nach Rösrath, Bergisch Gladbach und Dünnwald, wo dann noch andere jungen Leute und auch einige Mädchen hingekommen seien, mit denen die älteren von ihnen schon mal abseits gegangen seien. Als Gruss sei der oben geschilderte Fingergruss üblich gewesen. Wer ihnen den Namen Navajos beigelegt habe, wisse er nicht. Er selbst habe auf den Fahrten ein kariertes Hemd mit kurzer Hose getragen. Es sei zwar richtig, dass er auch einen Gelenkriemen ohne Abzeichen getragen habe, indessen habe er dies getan, weil er in der Markthalle immer schwere Kisten habe heben müssen. Ein Führer sei bei den Navajos nicht vorhanden gewesen, vielmehr habe jeder getan, was er wollte. Dass er noch in der Zelle mit L. das Lied von Madagaskar gesungen habe, müsse er zugeben. Von Gewalttaten der Navajos sei ihm nichts bekannt. Dass der frühere Bund der Nerother aufgelöst worden sei, habe er allerdings gewusst; indessen habe er die Navajos nicht als Fortsetzung des Nerotherbundes angesehen und nicht gewusst, dass er sich durch sein Verhalten strafbar machen könne."



 
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