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Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ)

Die parteilichen Umstrukturierungen zu Beginn der Weimarer Republik wirkten sich auch bei den Jugendorganisationen im linken Lager aus. Nach der Vereinigung der SPD mit der USPD am 24.09.1922 ging daraus die „Sozialistische Arbeiterjugend Deutschlands“ (SAJ) hervor. Bereits Ende des Jahres umfasste sie über 100.000 Mädchen und Jungen in 1.600 Ortsvereinen in ganz Deutschland. Ihre öffentliche Präsenz wurde u.a. durch Jugendbeilagen in zahlreichen Tageszeitungen der SDP gewährleistet. Mitte der 1920er Jahre begegnete die SAJ stagnierenden Mitgliederzahlen mit der Erhöhung der Altersgrenze von 18 auf 20 Jahre, ab April 1928 wurden auch die 14jährigen Mitglieder der „Kinderfreunde“ in die SAJ übernommen. Trotzdem zählte die SAJ im Februar 1932 nur noch weniger als 60.000 Mitglieder.

Inhaltlich zunächst mit Gesang, Wanderfahrten und Lagerfeuerabenden am Vorbild der bündischen Jugend orientiert, standen bald politische und soziale Aufgaben im Vordergrund. So setzte man sich in den 1920er Jahren fortwährend mit gesetzlichen Maßnahmen der Jugendpflege, aber auch praktischen Problemen wie der Jugendarbeitslosigkeit auseinander. Durchgängig spielte die Ablehnung von Alkohol und Nikotin eine Rolle.

Mit seiner Ausrichtung gerät die SAJ immer stärker in Widerspruch zu den Nationalsozialisten.
Einen verpflichtenden Arbeitsdienst wie von der NSDAP gefordert, lehnt die Sozialistische Arbeiterjugend im Verbund der „Eisernen Front“ mit Jungbanner, Gewerkschaftsjugend und Arbeitersportjugend wiederholt ab. Der Machtergreifung begegnet sie durch die Durchführung des 6. Kongresses der Sozialistischen Jugendinternationale mit Themen wie „Jugend und Demokratie“.

Im März 1933 wurde die SAJ verboten. Mit dem Argument, ihre Mitglieder vor Verfolgung zu schützen, lösten sich viele Ortsgruppen auf und es kam zu lokalen Neugründungen unter anderem Namen sowie Übertritten zu anderen Organisationen. SAJ-Gruppen konnten ihr Bestehen am ehesten dadurch gewährleisten, wenn sie sich als „jugendgemäße“ Wandervereine o. ä. tarnten.

Gleichwohl kam es schon 1933 zu schweren Übergriffen durch die SA sowie zu Festnahmen durch die Gestapo, die gegen Vertreter des linken Spektrums mit besonderer Brutalität vorging. 1934 konnte der Widerstand durch die SAJ bei den Verfolgungsbehörden als zerschlagen gelten. Trotzdem wurden bis 1945 hunderte SAJ-Vertreter in Gefängnisse und KZ eingeliefert.



 

15. April 1933: HJ besetzt sozialistisches Jugendheim