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Dekonstruktion und Montage

Von Collagen und Liebesaffären zu Köln

 

Parallel zum Auftakt der EDITIONALE 2025 eröffnet am Freitag, den 06.03. eine Vitrinen-Ausstellung auf insgesamt vier Stockwerken, die sich ausschließlich dem Thema Collagen widmet. Gezeigt werden Collagenarbeiten in verschiedenen Techniken und Materialien von Kölner Künstlerinnen und Künstlern, die exklusiv zur Ausstellung auch das Thema KMB im aktuellen Diskurs reflektieren. Hierzu wurden verschiedene Aspekte der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (KMB) künstlerisch bebildert, collagiert und als zentrales Motiv auf komplexe Weise behandelt. Angefangen von Bildversionen aus bibliothekarischen Blickwinkeln in Schrift und Bild, sowie Metaphorisches zur aktuellen Lage der KMB, bis hin zu kritischen, (lokal-)politischen wie auch humorvollen Formulierungen. 

Die Vitrinen-Ausstellung wurde kuratiert von Ulrike Jagla-Blankenburg.

 

Ausstellungseröffnung:

Freitag, den 06.03.2026, um 18.00 Uhr

Ausstellung vom 07. März. bis zum 19. April 2026

Ort:

Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln, Eingang Filmforum)

Öffnungszeiten:

Mo 14-21.00 Uhr, Di-Do 10-21.00 Uhr, Fr-So 10-18.00 Uhr

 

Im aktuellen Diskurs bebildern Collagen die Fragmentierung einer heutigen Welt, in der höchst unterschiedliche Einflüsse, Entwicklungen und Ideen aufeinanderprallen. Als Ausdrucksmittel für gesellschaftliche, politische und persönliche Komplexe dienen sie dazu, Bild- Text- und Materialzitate zu neuen Aussagen zusammenzufügen. Dabei ermöglicht das Arbeiten mit Schichten und Kontrasten, Texten und Texturen, mit Schere, Kleber und nicht zuletzt mit digitalen Bildern und Fundstücken, fokussierte Botschaften zu transportieren. Sowohl in Papierform wie auch als Assemblagen erzeugen sie dabei meist radikal Unerwartetes.

Die präsentierten Arbeiten stehen zu einem nicht unerheblichen Teil im Zeichen der Papiercollagen, jenen ursprünglich bezeichneten papiers collées. Damit könnten sie zugleich einer Liebesaffäre zuzuordnen sein, denn das Wort collage leitet sich von dem französischen Verb coller ab, was das Einkleben und Zusammenfügen von Material auf einer Oberfläche bezeichnet – darüber hinaus jedoch in der französischen Umgangssprache als Partizip Perfekt auch eine verbotene Liebesaffäre bedeutet. Die Assemblage hingegen, als Form der Materialcollage, steht ganz im Zeichen eines Archivs der Überraschungen oder des alchemistischen Konstrukts, wo aus gefundenen Teilen neue Bedeutungen generiert werden.

Die teilnehmenden Künstler*innen, ausnahmslos ansässig in Köln, bieten in der Gesamtheit ihrer Positionen einen Querschnitt zu den verschiedenen Techniken, Bildsprachen und inhaltlichen Ausrichtungen zum Komplex Collage und Assemblage. Darüber hinaus – und dies betrachten wir als Highlight der Ausstellung an diesem Ort! - wurden exklusiv für die hiesigen Vitrinen auch Arbeiten gefertigt, die sich explizit dem Thema KMB und ihrer Relevanz als Kölner Institution zuwenden. Eine Wertschätzung also, die sich lokalpolitisch immer mal wieder auf dem Prüfstand befand. So ist es letztlich auch eine Ausstellung für und über die Stadt Köln, gerichtet an ihre Bürgerinnen und Bürger – dies mit polyperspektivischem und kritischem Blick im Spiegel von Kultur, Politik und Gesellschaft.

 

Die Künstler*innen:

  

Boscher Theodors geschnittene Zelluloid-Streifen in Form von filmischen Vorlaufbändern wenden sich an das kollektive Bildgedächtnis. Die herabhängenden Negativ-Streifen, an Keilrahmen-Winkel befestigt und hinter vorangestelltem Passepartout, stehen in Bedeutungszusammenhängen von Dokumentation und Archivierung von Wirklichkeit.

Karlheinz Deutzmann liefert Brisantes aus Politik und Gesellschaft, mit dem Fokus auf Wort, Schrift und Bild. Als Kompendium von Nachrichten aus Tageszeitungen (im Zeitraum von 2025 bis Anfang 2026), in einer Fassung von insgesamt dreißig Kladden repräsentieren sie letztlich Lesebücher, angesiedelt in einem täglich aktuellen wie vergangenen Kontext. In ihrer Gesamtheit erscheinen sie als zeitloses Nachschlagewerk in Wort und Bild.

Katharina Jahnke konzentriert sich auf Erscheinungsformen von Zeitschichten, im Besonderen auf Aspekte der KMB-Bibliothek sowie deren Archivbestände. Bildsprachliche Anspielungen auf enzyklopädische Verschlagwortung sowie kaleidoskopische Verzahnungen von Wort und Schrift spielen dabei eine Rolle.

Nicola Schudy und ihreMaterialcollagen mit skulpturalem Charakter beruhen auf architektonischen Beobachtungen zur Baupolitik im Kölner Innenstadtbereich. Als assoziative Assemblagen hinterfragen sie anhand von Fundstücken, Baumaterial, Pappe und Fotografie die Realität unseres Stadtbildes und transformieren sie metaphorisch in stille Zeitzeugen – verfremdet, vereinzelt und damit neu gedacht, dies mitunter in Analogie zum derzeitigen Status Quo unserer Stadt.

Steffen Missmahl beruft sich mit seinen digitalen, handbearbeiteten Collagen in illustrer Bildsprache auf das Thema Buch schlechthin. Mit bearbeiteten Buchseiten schafft er fiktive und darüber hinaus auch ganz persönliche Bezüge zum realen Materialträger von Buchdeckeln.

 

Tamara Lorenz setzt mit ihrenTagescollagen auf vorhandene Bilder aus Tageszeitungen. Indem sie das Material „kapert“, politisiert und de-kontextualisiert, generiert sie an Schnittstellen zwischen Schönheit und Hässlichkeit stets auch für sie selbst unerwartet neue Verbindungen. Das Wundern und Staunen über jene Schnitte durch das Auge der Zeit gehört dabei ausdrücklich zum methodischen Ansatz.

Tilman Peschel steuert eine bewusst prozesshafte Arbeitsmethode in seinen fotografischen Collagen an, dabei zusammengestellt aus eigenen Fotobeständen. Ein erster sogenannter „Schnitt“ bestimmt die anschließenden Verläufe der Bildfindung. Ein „Satz“ von Ausgangsbildern besteht aus max. 20 Motiven. Schnitt und Neukombination erzeugen übrige Bildhälften, die an weitere übrige Bilder angelegt werden. Diese Arbeitsgänge bezeichnen ein elementares Abtasten auf der Suche nach eigenständigen Körperformen. Das Prozesshafte und nur bedingt Kontrollierbare spiegelt sich im Ergebnis all seiner Figurenfindungen wieder. Zentrales Motiv ist der „denkende wie gedachte Körper“, begriffen in einem ständigen Wandel.

Volker Saul setzt sich in seiner Arbeit mit den Komplexen Form, Zeichen und Schrift auseinander. Für die Ausstellung wählte er das Akronym KMB in Form von frei aufliegenden Linien-Objekten. Diese präsentieren sich im „freien Fall“, lose aufgelegt, mit schwarzer Acrylfarbe versehen und auf metallen bemaltem Papier in Silber und Gold, liefern diese zugleich Anspielungen auf Goldschnitte besonders hochwertiger Bücher.

 
 
Lesesaal im Museum Ludwig

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