Die Fahnen der Heiligen Drei Könige

Bild der 2. Woche - 5. bis 12. Januar 1998 Bild der

Meister von St. Severin, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, WRM 184

Der 6. Januar ist im kirchlichen Kalender das Fest der Erscheinung des Herrn. Auch wenn sich hinter diesem Namen mehrere Ereignisse verbergen, welche das erste "Auftreten" Christi in der Öffentlichkeit markierten (Anbetung durch die Heiligen Drei Könige, Taufe Christi, Hochzeit zu Kana), so steht ein Bildthema besonders mit diesem Tag in Verbindung: Die Heiligen Drei Könige an der Krippe. Der Evangelist Matthäus berichtet (Mt 2,1-12), daß drei Magier durch die Beobachtung eines Sternes die Geburt eines Königs im Land der Juden erkennen, über Jerusalem nach Bethlehem reisen und dort das Christuskind in der Krippe finden und anbeten. Darstellungen in den ersten Jahrhunderten zeigen die Heiligen Drei Könige durchweg als Orientalen in persischem oder buntem Kostüm. Königskronen tragen sie in den Gemälden erst seit Ende des 10. Jahrhunderts, entsprechend der kirchlichen Tradition, welche den Magiern auch ein Königtum zuspricht. Wenn im Laufe des Mittelalters die Könige mal mit deutlich sichtbarer mal mit weniger eindeutig erkennbarer Krone dargestellt wurden, so war jedoch durchgängig ihre hohe Herkunft mit Hilfe von Statussymbolen dargestellt. Als Erkennungszeichen ihrer Würde fungierten z. B. kostbare Gewänder oder ein großes Gefolge. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts tauchten in Köln erstmals als Hoheitszeichen der Heiligen Drei Könige eigene Wappenfahnen auf. Der entsprechende Kölner Wappenmaler verließ sich bei der Erfindung der neuen Wappenfahnen nicht allein auf seine Phantasie, sondern suchte in alten Flaggenlisten nach entsprechenden Vorlagen. Dabei muß er wohl in einem Buch auf die Wappen dreier Königreiche des 14. Jahrhunderts an der Nordküste Afrikas - Morgenland! - gestoßen sein, denn deren Flaggen haben sehr große Ähnlichkeit mit denjenigen, die er schließlich den Heiligen Drei Könige gab: Königreich Amenuan (links oben), Königreich Tremecen (links Mitte) und Königreich Maxar-Orenburg (links unten). Welchem der Drei Könige welche Wappenfahne jeweils zugeordnet wird, ist von Bild zu Bild unterschiedlich. Auf unserem Gemälde (Meister von St. Severin, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, WRM 184) knien die Könige unmittelbar bei Maria und dem Kind: Von links nach rechts: Balthasar hat die Wappenfahne mit Sternen, Melchior als Motiv Mond mit Stern und Kaspar, der Mohr, die Fahne mit dem Mohren.

T. Nagel