Die Signaturen

Bild der 3. Woche - 12. bis 19. Januar 1998

Künstlersignaturen

Bei weitem nicht jedes Gemälde in unseren Museen trägt an irgendeiner Stelle den Namen des Malers. Überhaupt kann man nördlich der Alpen in der Regel erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts damit rechnen, Namenszüge von Künstlern auf ihren Werken zu finden (Beispiel auf dem Bildhintergrund unten: Renoir, Beispiel oben links: W. Leibl). Besitzt ein Kunstwerk - auch Kunstwerke anderer Gattungen wie z. B. Zeichnungen oder Skulpturen können Namen ihrer Autoren tragen - besitzt also ein Kunstwerk eine dieser sogenannten Signaturen, so ist dieser häufig noch eine Jahreszahl hinzugefügt (Beispiel oben Mitte: 89 P. Gauguin). Auf Werken der Druckgraphik findet man manchmal sogar die genaue Angabe eines Tagesdatums (Beispiel unten rechts: PICASSO, Paris 29 Janvier XXXIV -, die Inschrift ist spiegelverkehrt, da Picasso die zweite Zeile vor dem Druck in normaler Schrift auf die Druckplatte schrieb, seinen Namen jedoch in Spiegelschrift). In den Fällen des Namenszuges mit Jahreszahl kennt man somit das Alter des Kunstwerkes sehr genau. Fehlt der Signatur eine Jahresangabe, so kann man das Alter z. B. eines Gemäldes zumindest dadurch ungefähr bestimmen, indem man die bekannten Lebensdaten des Künstlers zu Rate zieht. Selbst von wenig bekannten Künstlern sind oft durch Urkunden mit Datumsangaben (Taufurkunde, Grundbesitzliste, Steuerliste, Heiratsurkunde, Rechnungen) eine Reihe von Lebensdaten bekannt. Problematisch wird die Situation dann, wenn an der Echtheit einer Signatur Zweifel bestehen, weil z. B. der Malstil nicht zum Künstler paßt oder andere Ungereimtheiten aufgefallen sind (Beispiel unten rechts: Vincent, eine gefälschte Unterschrift Vincent van Goghs auf einem Gemälde im Wallraf-Richartz-Museum). Ein weiteres Problem ergibt sich dann, wenn der Künstler sein Werk nur mit den Anfangsbuchstaben seines Namens signiert, mit einem sogenannten Monogramm, man diesen Buchstaben aber keinen Namen zuweisen kann (Beispiel links unten: B. M. 68, mehr ist über diesen Maler nicht bekannt). Als andere Form der Bildkennzeichnung verwendeten einzelne Künstler besondere Zeichen - etwa aus Buchstabenkombinationen (Beispiel oben rechts: 19 DIX 34, ein Hinweis auf Otto Dix) oder anderen Symbolen (Beispiel links Mitte: die geflügelte Schlange, Malerzeichen von Lucas Cranach dem Älteren). Auch hier muß vor einer Altersberechnung erst das Zeichen einem Künstler zugeordnet werden. Wie für alle anderen Methoden der Altersbestimmung eines Kunstwerkes gilt auch beim Forschen mit Hilfe von Signaturen, daß weitere Angaben das ermittelte Alter des Kunstwerkes stützen müssen, um eine sichere Aussage machen zu können (s. Fälschung von Signaturen). Fortsetzung folgt.

T. Nagel