Skulptur des heiligen Hieronymus

Bild der 4. Woche - 19. bis 26. Januar 1998

Skulptur des heiligen Hieronymus, Niederrhein, um 1460 - 1470, Linde, vollrund, ausgehöhlt, 160 cm hoch, Schnütgen - Museum, Köln, Inv. Nr. A 201

Der Heilige Hieronymus (340 - 420) war ein bedeutender Gelehrter, der sich eine umfangreiche literarische und theologische Bildung in Trier, Rom und Aquileja aneignete. Nach einer Pilgerreise in das Heilige Land befaßte er sich mit der Übersetzung der Bibel ins Lateinische (vulgata), so daß er als einer der vier Kirchenväter gilt. Um 375 zog er sich in die Wüste von Chalcis zurück, um dort ein Einsiedlerleben zu führen. Zwischenzeitlich wurde er Berater des Papstes Damasus in Rom. Nach dessen Tod ging er 385 nach Palästina, um in Bethlehem ein Mönchskloster und eine Schule zu leiten. Dort entstanden seine wichtigsten Schriften. Um seine besondere Gelehrtheit und die Beratertätigkeit beim Papst hervorzuheben, ordnete man ihm in der mittelalterlichen Kunst die Attribute der Kardinalstracht - (Hut und Gewand) - und ein Buch zu. Neben diesen häufig zu findenden Erkennungsmerkmalen besitzt Hieronymus im Anschluß an seine Legende einen Löwen als weiteres, individuelles Attribut: Der Legende nach näherte sich eines Tages ein Löwe dem Kloster, in dem Hieronymus lebte. Während sich alle Mönche vor ihm fürchteten, begrüßte Hieronymus den Löwen, denn er sah, daß er verletzt war. Er zog ihm den schmerzhaften Dorn aus der Pfote und pflegte den Löwen gesund. Aus Dankbarkeit wurde der Löwe zu einem treuen Gefährten. Das monumentale Standbild zeigt den heiligen Hieronymus nahezu lebensgroß und mit Kardinalshut. Großzügig läuft das geraffte Obergewand bei der ausgestreckten Linken zusammen, die ehemals ein Buch hielt. Die Kardinalstracht mit seinen parallel laufenden Röhrenfalten und seinem mächtigen Volumen verweisen auf eine Entstehungszeit in den 60er Jahren des 15. Jahrhunderts hin. Hieronymus neigt sich dem kleingestalteten Löwen zu, der ihn anspringt. Die ernste Figur zählt zu den großzügigsten und eindrucksvollsten Statuenschöpfungen der rheinischen Spätgotik. Ursprünglich stammt sie aus einer Pfarrkirche in Lövenich im Kreis Erkelenz.

C. Schäfer