Geschichtliche Informationen

Bild der 7. Woche - 9. bis 16. Februar 1998

Gottfried von Wedig, 1615/16, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, 139,5 x 198,5 cm, WRM 1714

Das auf Eichenholz gemalte Bild (Wallraf-Richartz-Museum, Köln, 139,5 x 198,5 cm, WRM 1714) zeigt eine Familie in festlicher Kleidung – bzw. genauer, es zeigt eine Mutter mit 9 Kindern. Wir bekommen Einblick in ein vertrautes Zusammensein vor einem Virginal, einer barocken Form des Klaviers. Eine erste Bestimmung des Alters dieses Gemäldes läßt sich aus der Kleidung gewinnen, welche dem Zeitalter des Barock zuzuordnen ist, also grob dem 17. Jahrhundert. Zu einer etwas genaueren Zeitbestimmung kam man erst 1933, als man das im dunklen Bereich auf dem Querholz des Sessels der Mutter angebrachte Monogramm des Malers fand: GDW.F. Der Maler mit diesem Monogramm (s. hierzu Bild der Woche 043), Gottfried von Wedig, lebte von 1583 bis 1641 in Köln. Da man davon ausgehen kann, daß dieses Werk nicht vor dessem 17. Lebensjahr entstand, wird das Bild frühestens im Jahre 1600 entstanden sein. Man kann dem Alter des Gemäldes jedoch noch exakter auf die Spur kommen, wenn man sich mit dem Bildinhalt etwas genauer beschäftigt und Informationen hinzuzieht, welche man in entsprechenden Urkunden finden kann. Bei näherer Betrachtung fällt die Darstellung eines Wappens im Fenster auf. Ein Blick in entsprechende Wappenbücher zeigt, daß es sich hier nicht um das Wappen des Malers, sondern um das der dargestellten Familie handeln muß, denn das Wappen gehörte einem Christoph Wintzler, welcher als Hofrat, Vizekanzler des kölnischen Kurfürsten und Zensor des Kölner Rates - wie der Maler auch - in Köln lebte. Mit diesem Wissen ergibt eine Suche in Archiven an Hand von Urkunden und Kirchenbüchern, daß Christoph Wintzler seit 1599 mit Gertrud Schradts verheiratet war und von 1607 bis 1615 in Köln im Haus zum Engel am Alter Markt wohnte. Die Eheleute hatten nach Aussagen der Urkunden insgesamt 17 Kinder. Da von diesen nur 9 dargestellt sind, kann man mit Hilfe der Lebensdaten der Kinder die Altersbestimmung des Bildes noch genauer festlegen, denn diese sind ebenfalls recherchierbar: Die Älteste, Gertrud (1600 geboren), sitzt links mit einem Geschwisterchen auf dem Schoß. Dann folgten Anna-Maria (geboren 1601) stehend hinter Gertrud, Christina (1603) rechts hinter der Mutter, Katharina (geboren 1606) rechts von Christina, dann Elisabeth (geboren 1609) am rechten Bildrand unten, Maria (geboren 1611) zweite von rechts, welche ihren Bruder Ferdinand (geboren 1612) an den Händen hält. Dieser ist wie auch die folgenden Brüder dem damaligen Brauch gemäß noch mädchenhaft gekleidet. Am linken Bildrand sieht man Eitel Friedrich (geboren 1614) mit einem Hündchen und auf dem Schoß der ältesten Schwester den Kleinsten Johann Theodor (geboren 1615). Der 1604 geborene Sohn Christoph fehlt, da er vermutlich mit vier Jahren bereits gestorben war. Da das nächste Kind der Familie Wintzler, der Sohn Johann Peter, erst im April 1617 geboren wurde, wird das Gemälde vor diesem Datum entstanden sein. Da aber auch das dargestellte Baby Johann Theodor früh starb, nämlich mit 6 Monaten Ende März 1616, wird das Bild in diesem halben Jahr geplant oder sogar fertiggestellt worden sein: zwischen dem 12. 9. 1615 und dem 26. 3. 1616.Fortsetzung folgt

T. Nagel