Tôdaiji

Bild der 26. Woche - 28. Juni bis 5. Juli 1999

Außensansicht der Halle des Großen Buddha, Vorderansicht der Daibutsuden, Japan, Edo-Zeit, 1707

"Tôdaiji" - hinter diesem Namen steht nicht ein einzelner Tempel, sondern eine knapp einen Quadratkilometer große japanische Tempelanlage, die bei ihrer Gründung im 8. Jh. außerhalb der Tore der damaligen Hauptstadt Nara lag. (Obwohl die Stadt sie inzwischen eingeholt hat, liegt sie noch immer mitten im Grünen.) Als der Tôdaiji, der "Große Ost-Tempel" vor mehr als 1200 Jahren im Jahre 725 n. Chr. eingeweiht wurde, lag hier das religiöse Zentrum einer der bedeutendsten buddhistischen Schulen der damaligen Zeit. Auch in politischer Hinsicht war der Tempel von großer Bedeutung, was nicht nur durch die Nähe zur Hauptstadt, sondern auch durch seinen formalen Namen Tempel zum Schutz des Staates durch die Golden erstrahlenden vier Himmelskönige zum Ausdruck kommt. Als der östlichste einer Reihe von "Großen Tempeln" diente der Tôdaiji im 8. Jh. dazu das junge japanische Kaisertum durch die Macht der zur Staatsreligion erhobenen, buddhistischen Lehre zu einigen. Die politische und religiöse Bedeutung des Tôdaiji mag heute gering sein. Aus seiner Geschichte haben sich allerdings zahlreiche Bauwerke und Skulpturen erhalten, die heute zu den größten Nationalschätzen Japans zählen. 1998 wurde die Tempelanlage in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die unzähligen Gebäude sind der Ordnung des Kosmos entsprechend nach Süden ausgerichtet. Trotz mehrfacher Zerstörungen durch innerjapanische Kriege und Naturkatastrophen stehen noch immer über 1250 Jahre alte Bauwerke in der Tempelanlage, deren Hauptstück die "Daibutsu-den", die Halle des Großen Buddhas ist. Sie ist mit einer Höhe von knapp 49 m die größte Holzkonstruktion der Welt und beherbergt die 16 m hohe freistehende, bronzene Sitzfigur des Buddha (demnächst im Bild der Woche). Dieses beeindruckende, heute fast quadratische (50 m x 57 m) Gebäude war ursprünglich sogar ein Drittel breiter. In den genannten Kriegen abgebrannt, wurde die Halle zweimal nach dem alten Vorbild wiederaufgebaut, jedoch jedesmal wegen Materialmangels in etwas geringerer Breite. Man muß nicht unbedingt nach Japan reisen, um zumindest einen kleinen Glanz des Tôdaiji erfahren zu können. Erstmalig werden in Köln als der einzigen europäischen Station für acht Wochen vom 11. September bis 10. November 1999 Kultschätze aus dem Tôdaiji zu sehen sein. Der Große Buddha wird leider aus einsehbaren Gründen nicht darunter sein. Die Serie wird fortgeführt.

B. CleverP. Rösch