Vom Aufstieg der Rincks

Bild der 35. Woche - 28. August bis 4. September 2000

Die Entwicklung der Hausmarke der Familie Rinck bis zum Wappen

Die Kölner selbst sorgten dafür, dass ihre Stadt eine bürgerliche Stadt wurde und blieb und nicht, wie manch andere deutsche Großstadt durch Grafen, Fürsten, Bischöfe, Könige oder Kaiser einen Flair des Herrschaftlichen erhielt. Als sie 1288 den Bischof aus der Stadt vertrieben, nahmen sie selbst das Heft in die Hand. Dies blieb im Grunde bis heute so, auch wenn es mehrere Besatzungszeiten gab und der Rat nach heutiger Verfassung nicht unkontrolliert entscheiden kann. Das bürgerliche Element (Zünfte, Gaffeln, Bürgermeister, Patrizier, Bruderschaften, Vereine, Verbände, Klüngel, ...) dominierte das Leben der Stadt. So war und ist die Kunstlandschaft Köln auch von bürgerlichem Einfluss bestimmt: Stifter, Sammler, Mäzene wirkten in allen Jahrhunderten auf das kulturelle Leben Kölns ein. In dieser neuen Serie des Bildes der Woche soll auf einige dieser Personen vom Mittelalter bis in die Gegenwart eingegangen werden, auch wenn dies hier nur in verkürzter Form möglich ist; so zunächst zur Familie Rinck: Die Kunst vergangener Jahrhunderte ist nicht nur wegen ihres Alters oder ihrer künstlerischen Qualität beachtenswert. Oft gibt sie durch ihre Darstellung Hinweise auf die Geschichte bzw. Sozialgeschichte ihrer Zeit. An Hand der zahlreichen Stiftungen der Kölner Kaufmannsfamilie Rinck wird so zum Beispiel ablesbar, wie sich ihr sozialer Aufstieg über vier Generationen vollzog. Auch wenn es zunächst so scheint, so kann man die Zahl oder die Größe der gestifteten Kunstwerke letztlich nicht als Maßstab für die Rolle einer Person im Leben der Stadt betrachten, denn die Frage, wer was für wieviel Geld stiftete, stand und steht nicht notwendig mit dem gesellschaftlichen Ansehen in Verbindung. Für den Blick der Öffentlichkeit waren jedoch Hausmarken und Wappen bestimmt, die - am Kunstwerk zu sehen - nicht nur für uns heute den Bezug zwischen Stiftung und Stifter herstellen sollten. Hausmarken wurden vor allem im Handel genutzt und waren im 15. Jahrhundert übliche Besitzerzeichen. Man sah sie auf Heringsfässern am Rheinhafen ebenso wie auf Tuchballen, die an den entsprechenden Stellen der Stadt zum Verkauf angeboten wurden. Johann Rinck (gest. 1464) ließ, als er kurz vor seinem Tod ein Gemälde mit der Krönung Mariens in Auftrag gab (heute in München), auf diesem Bild seine im täglichen Handel bekannte Hausmarke anbringen (im Bild unten links). Sein Sohn Peter (gest. 1501) entwickelte dann - zu sehen auf dem Thomasaltar für die Kölner Kartause (Wallraf-Richartz-Museum, WRM 179) - das redende Wappen mit dem Raben, der einen Ring (Rinck!) im Schnabel hält. Der Rabe dient dabei als Halter für die in einem Schild präsentierte Hausmarke (im Bild unten Mitte). Die nächste Generation der Rincks modifizierte den Raben in der Form, dass er eher einem Adler glich und nun zum Wappentier wurde, so zu sehen auf einem Gemälde aus dem Kölner Makkabäerkloster (Wallraf-Richartz-Museum, WRM 232). Adolf Rinck (gest. 1541) ließ dieses einfache Wappen zusammen mit dem seiner Frau Margaretha Hardenrath in einem Wappen vereint darstellen (im Bild unten rechts). Die vierte Generation der Familie Rinck vollzog den letzten Schritt: Die Rückseite des Rundporträts von Hermann III. Rinck (gest. 1541) zeigt ein vollendetes Adelswappen mit allem erforderlichen heraldischen Beiwerk: Spangenhelm, Helmdecke, Krone und Kleinod (großes Bild, Wallraf-Richartz-Museum, WRM 247). Die Rincks waren dort angekommen, wo sie hinwollten: im Kölner Hochadel.

T. Nagel