Eröffnung des Neubaus 1977
eine neue Heimat für die Ostasiatische Kunst Kölns

Bild der 49. Woche - 2. bis 9. Dezember 2002

Museum für Ostasiatische Kunst in Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
Kunio Mayekawa (1905-1986), Architekt des wiedererbauten Museums für Ostasiatische Kunst Köln, bei der Eröffnung im Dezember 19977. Foto: Werner Krüger, Köln.
Modell des Museums für Ostasiatische Kunst vom Aachener Weiher aus gesehen

Genau vor 25 Jahren, am 2. 12. 1977, bezog das Ostasiatische Museum Köln den Neubau am Aachener Weiher. Der Entwurf stammte von dem japanischen Architekten Kunio Mayekawa, einem Schüler Le Corbusiers. Das Eröffnungsjubiläum nehmen wir diese Woche zum Anlaß, den 1986 verstorbenen Kunio Mayekawa nochmals in einem Interview zu Wort kommen zu lassen, das dieser dem Kölner Stadt-Anzeiger 1977 gegeben hat. Vom Tod der Architektur Interview geführt vom Kölner Stadt-Anzeiger (Werner Krüger) mit Kunio Mayekawa, veröffentlicht am 05.12.1977 Das neue Kölner Museum für Ostasiatische Kunst plante der führende japanische Architekt Kunio Mayekawa. Der 72jährige Baumeister, einst ein Verfechter vom Bau mit Stahlbeton und Fertigteilen, ist inzwischen einer der schärfsten Kritiker der modernen Architektur. Wir sprachen mit ihm in Köln. Herr Professor Mayekawa, Sie haben in Europa studiert und in Japan gebaut. Begreifen Sie Ihre Bauten als Synthese west-östlicher Architektur? MAYEKAWA: Keineswegs möchte ich meine Arbeiten als Surrogate west-östlicher Ideen betrachten. Vielleicht sollte ich da etwas ausholen. Ich habe meine Laufbahn vor etwa einem halben Jahrhundert begonnen. Nach meinen Studien ging ich für zwei Jahre zu Corbusier, um die sogenannte moderne Architektur zu studieren. Das war 1928. Mein Aufenthalt in Frankreich fiel in eine merkwürdige Zeit. Die Intellektuellen in Paris standen der westlichen Zivilisation sehr skeptisch gegenüber. Das registrierte ich damals zwar, aber ich teilte diese Skepsis nicht. Heute hat sich das geändert. Japan steht mit der westliche Zivilisation seit mehr als einem Jahrhundert in enger Verbindung. Japan zeigte diese Aufgeschlossenheit zuallererst, um zu überleben, zum anderen aber auch deshalb, weil es die westliche Lebensart besonders schätzte. Seit einiger Zeit besinnen wir uns allerdings auf unsere eigene Geschichte. Nachdem wir den westlichen Fortschrittsglauben blind übernommen haben, stellen wir auf einmal fest, dass dieser Glaube uns in die Irre geführt hat. Ihr Lehrmeister Corbusier würde Ihnen sicher widersprechen. MAYEKAWA: Corbusier war ein optimistischer Progressivist. Er liebte die Maschinisierung und die damit verbundene rationale Architektur, wenngleich ich glaube, dass er sich als Rationalist in der Architektur nicht ausgewiesen hat. Sie haben die rationale Bauweise jahrelang praktiziert. Woher kommt Ihr Gesinnungswandel? MAYEKAWA: Zwischen 1930 und 1945 war Japan von der westlichen Kultur isoliert. In dieser Zeit habe ich darüber nachdenken können, was die moderne Architektur für mich eigentlich bedeutet. Ich fand, dass die beiden Kriege den Traum von einer vernünftigen, rationalen Welt zerstört haben. Mir scheint, dass wir heute zu den Werten der Handarbeit zurückfinden, gleichsam die verlorengegangene Zeit der vorindustriellen Revolution uns neu aneignen müssen. Die Fertigteileproduktion, die Maschinisierung unseres gesamten Lebens sind das Übel des Menschen – die Entfremdung, von der Marx gesprochen hat. Kann man denn die Entwicklung zurückschrauben? Ist die menschliche Hand eine ernsthafte Konkurrentin für die Maschine? MAYEKAWA: Natürlich habe auch ich lange Zeit diese maschinisierte Architektur gebaut. Heute benutze ich von Hand gefertigte Materialien, wie zum Beispiel die Kacheln und Ziegeln an dem Kölner Museum. Die Architekten der Gotik, der Romanik, der Renaissance oder auch der Klassik bauten Häuser für Gott. Der Verlust unseres Glaubens an Gott hat unsere Architektur gewandelt. Wir haben zwar eine ganz klare Idee von einem Haus entwickelt. Dennoch ist es nicht einfach, diese Idee auch zu realisieren. Wir bauen riesige Häuser, und darin leben die Menschen dann wie Tauben in ihren Nestern. Die Menschen fühlen sich dort unglücklich. Das Unglück stiften die Architekten und die Bürokratie. Hat möglicherweise der Funktionalismus zu dieser Misere geführt? MAYEKAWA: Der Funktionalismus war zu der Zeit, als er aufkam, keine schlechte Sache. Im übrigen sollte man daran denken, dass auch der Tempel eine Funktion hat: Er war das Asyl für Gott. In unserer Zeit bauen die Architekten nicht mehr Asyle für Gott. Sie bauen Häuser für die Menschen, die sie im Grunde nicht lieben. Architektur ist Mittel zum Zweck geworden. Der Zweck heißt: Möglichst viel Geld verdienen. Die Architektur hat sich der menschlichen Kontrolle regelrecht entzogen. Sie ist ihm entfremdet worden und dient den Interessen des Kapitals, das sie zu erwirtschaften hat. Schließen Kapital und qualitätvolle Architektur einander aus? MAYEKAWA: Ich glaube, wir leben in einer sehr traurigen Zeit, nicht allein der verbreiteten Geldgier wegen. Jeder möchte etwas Neues schaffen. Niemand bemüht sich um Besseres, um etwas Schöneres. Man darf aber nicht bloß mit Neuigkeit die Menschen beeindrucken wollen. Damit erschrickt man sie höchstens. Ich meine, dass die Architektur sowohl funktionell wie ästhetisch eine hohe Moral vertreten muss. Moral ist nicht mit Aufdringlichkeit zu schaffen. Aufdringlichkeit wirkt beleidigend. Das Museum, das ich hier gebaut habe, passt sich bewusst der Umgebung an und will sie nicht stören. Will Ihr Museum allein der Kunst als Gehäuse dienen? MAYEKAWA: Ein Museum ist dazu da, den Menschen zu zeigen, dass Kunst nicht überflüssig ist. Museums-Architektur darf in keinem Falle dominieren, sondern muss ganz hinter die Kunst zurücktreten, die sie beherbergt. Die heutige Architektur will um jeden Preis demokratisch sein. Führt das nicht zwangsläufig auch zur Mittelmäßigkeit? MAYEKAWA: Es gibt viel zu viele Architekten. Wir haben zum Beispiel in Japan in jedem Jahr 12.000 Architekturstudenten. Wir brauchen aber höchstens 1.000 Architekten jährlich. Wenn die ihren Beruf auch noch richtig ernst nehmen würden, dann hätten wir eine gute und bessere Architektur. Die meisten jedoch benehmen sich wie Bürokraten, das heißt wie Konformisten. Für mich ist eine solche Haltung unvertretbar. Die Bürokratie und der Konformismus sind meine Feinde. Hatten Sie mit der Bürokratie auch bei diesem Museum Schwierigkeiten? MAYEKAWA: Die Pläne sind nicht überall so verwirklicht worden, wie ich das gewünscht hatte. Unglücklich bin ich über die Gestaltung des kleinen Teichs vor dem Museum. Er sollte eine geschwungene Uferbegrenzung bekommen, um mit dem Rechteck des Aachener Weihers zu kontrastieren. Das ist leider nicht so gemacht worden, worunter der Gesamteindruck leidet. Außerdem bin ich mit der Wandverschalung im Innenhof des Museums nicht einverstanden. Das Foyer ist erstaunlich groß ausgefallen. Ist das nicht Verschwendung, gemessen an den bescheidenen Ausstellungsräumen? MAYEKAWA: Die Eingangshalle ist für mich ein Versammlungsraum, der möglichst großzügig sein muss. Ein angenehmes Raumgefühl möchte ich dem Besucher schon in der Eingangshalle vermitteln. Raum ist das Wichtigste, was Architektur behandelt. Das Modell des rückseitigen Baus zeigt eine Zwischenstufe in der Bauentwicklung, denn es weist nicht jene geschwungene Uferbegrenzung auf, von dem Mayekawa spricht. Es unterscheidet sich jedoch auch von dann verwirklichten Ufer-Situation.

W. Krüger