SHOOTING Chaplin

Bild der 36. Woche - 6. bis 12. September 2004

James Abbe, Charlie Chaplin, Standfotografie aus dem Film "Der Pilger ( The Pilgrim)", Abzug der 50er Jahre für den Aushang im Kino/ Aufnahme Hollywood 1922, 28,5 x 22 cm, Museum Ludwig/ Fotografische Sammlungen
James Abbe, Joseph Stalin in seinem Arbeitszimmer im Kreml, Moskau, 13. April 1932

Jeder kennt solche Filmfotografien, die während der Dreharbeiten als Filmstills aufgenommen wurden, kaum einer die Fotografen. Im vorliegenden Fall kann das Geheimnis des Fotografen durch glückliche Umstände gelöst werden. Es war James Abbe (1873- 1973) aus Virginia, der zwischen 1917 und 1922 zwischen New York und Hollywood pendelte, berühmte Regisseure kennenlernte und die legendären Stars des Films fotografierte. James Abbe gehört zu den großen Fotografen des 20. Jahrhunderts, der allerdings nicht nur die Welt des Glamours von Theater und Film aufgenommen hat, sondern auch als Pionier des amerikanischen Fotojourrnalismus gelten muß. Ab Mitte der 1920er Jahre hielt er sich in Europa auf, arbeitete für die Zeitschriften VU in Paris und ‚Die Dame‘, ‚UHU‘ und vor allem für die Berliner Illustrierte Zeitung vom Ullsteinverlag in Berlin. Die befreundeten Redakteure provozierten ihn 1932 mit der Forderung entweder Fotos von Hitler aus einer Synagoge kommend oder von Stalin im Kreml zu liefern, wenn er doch so ein guter Fotograf sei. James Abbe beschloß auf das zweite Angebot einzugehen und es gelang ihm tatsächlich als erstem ausländischen Fotografen bis zu dem sowjetischen Machthaber vorzudringen und ihn am 13. April 1932 zu fotografieren (s. kleines Bild rechts). Abbe war nicht nur ein genailer Fotograf, sondern muß neben Alfred Eisenstaedt, Erich Salomon, Umbo und Felix H. Man zu den bedeutendsten Vertretern des Bildjournalismus der Weimarer Republik gezählt werden. Gewitzt, raffiniert, hemmungslos, intelligent, sprachbegabt und äußerst flexibel verkörperte er den Typus des fliegenden Reporters, nach dem die bildbegeisterte Leserschaft verlangte. Die besonderen Leidenschaften des Fotografen galten aber dem Film, Theater und dem Tanz, den Bühnen der Welt. Viele seiner Aufnahmen z.B. die Portraits von Rudolph Valentino, Gloria Swanson, Fred Astaire, Mae West , Mary Pickford und eben Charlie Chaplin wurden zu Ikonen der modernen Bilderwelt, denn Sie sind massenhaft in den Schaukästen der Kinos zu sehen gewesen.

B. von Dewitz