Die Kaiserliche Familie zu Gast

Bild der 43. Woche - 24. bis 30. Oktober 2005

Franz Wüsten, Kaiserin-Pokal, 1892, Silber vergoldet, Email, Diamanten Perlen, Lapislazuli, Höhe 52,2 cm. Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1969/415/23
Mitte Links:Otto Rohloff, Kronprinzen-Becher, 1899, Silber, teilweise vergoldet, Email, Edelsteine, Höhe 47 cm. Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1969/415/24 Rechts:Alois Kreiten, Kronprinzessin-Pokal, 1906, Silber, teilweise vergoldet, Gold, Email, Aventurin, Amethyst, Edelsteine, Höhe 33 cm. Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1969/415/25

"Einsatzort" des Ratssilbers war der Gürzenich. Hier fanden die großen Festessen zu Ehren des Kaisers oder bei besonderen Anlässen statt, wie z. B. der Besuch Kaiser Wilhelm II im Jahre 1891. Im ersten Teil dieser kleinen Serie hatten wir den Blick auf den Kaiserpokal gelenkt, der 1890 den Anfang des neuen Ratssilbers der Stadt Köln machte. Natürlich stand dieser bei den festlichen Anlässen des Treffens immer wieder im Blickpunkt. Dabei wird man wohl gespürt haben, dass auch für die Kaiserin ein ähnliches Gefäß sinnvoll war. So folgte 1892 ein entsprechender Auftrag an die Kölner Goldschmiedewerkstatt August Wüsten. Der Kaiserin-Pokal greift formal auf die Akelei-Pokale des 16. und frühen 17. Jahrhunderts zurück. Auf einem dem Kaiserpokal ähnlichen Fuß mit vier Emailbukeln und angefügtem Nodus in Form einer Vase sitzt der eigentliche Akeleibecher mit acht grün/weißen Emailmedaillons. Diese zeigen Putti bei der Ernte, beim Musizieren und Trinken. Vier Reliefs im oberen Teil zeigen weibliche Tugenden: Glaube, Gattenliebe, Mutterliebe und Wohltätigkeit. Den Deckel des Pokals ziert eine Darstellung der Caritas (?). Um die kaiserliche Pokal-Familie zu vervollständigen nun zwei kleine Sprünge in der Chronologie des Ratssilbers: 1899 folgte der Kronprinzen-Becher (rechtes Bild) als Stiftung des ehemaligen Kölner und nun Neuberliners Dr. Franz Fischer anlässlich seiner 25jährigen Tätigkeit für die Kölnische Zeitung. In symbolreicher Darstellung widmet sich das Programm des Pokales dem Thema des Rheinischen Weines, der Rheinischen Kultur, der Kaisertreue und der besonderen Bedeutung Kölns. Den Deckel bekrönt die Figur des Kölner Bauern mit Dreschflegel, Schlüsselbund, Schwert und Wappen. Um nun jedem Mitglied der kaiserlichen Familie ein eigenes Willkommen zu bereiten folgte 1906 – nun nicht mehr in neugotischem Rückgriff auf mittelalterliche Traditionen, sondern mit Elementen des Jugendstils – der Kronprinzessinnen-Pokal. Eine Rheinnixe auf silbernem, mit Edelsteinen besetzten Felsen trägt eine aus Aventurin geschnittene und gegen Licht durchscheinende Kuppa. Diese wird von zwölf goldenen Schilfrohren gegliedert. Den Deckel bekrönt ein Felsen aus Amethyst.

T. Nagel