50 Jahre Tanzbrunnen-Zelt und Bundesgartenschau

Bild der 17. Woche - 23. bis 29. April 2007

Frei Otto: Entwurf für den Tanzbrunnen, Skizze, Tusche und Aquarell, 42 x 59 cm, Köln, Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bot der Rheinpark, der zur Werkbundschau 1914 angelegt und zur PRESSA 1928 modernisiert worden war, einen traurigen Anblick: Große Trümmerschuttmassen verunstalteteten auch das Gelände zwischen Messeturm und Mülheimer Hafen. Um dieses letzte Stück natürlicher Landschaft am innerstädtischen Rheinufer vor einer möglichen Bebauung zu sichern, nutzten die Verantwortlichen die Chance, als die Bundesgartenschau 1957 nach Köln vergeben wurde (es war die vierte seit Kassel 1951). Ziel bei der Neugestaltung war, den Charakter einer niederrheinischen Auenlandschaft zu bewahren und das Ufer natürlich zu belassen. Die gartenarchitektonisch im Sinne der 1950er Jahre durchgestaltete Anlage mit den farbigen Blumenrabatten geht fließend in die typische Uferlandschaft mit Wiesen und Pappeln über und bezieht den Blick auf das linksrheinische Köln mit ein (die Riehler Aue wird erst bei der Bundesgartenschau 1971 umgestaltet). Dank der Fußgängerbrücke über den Mülheimer Hafen wurde eine Rheinpromenade zwischen Poll und Stammheim möglich. Das gesamte Gelände umfasste 485.000 qm, hinzu kamen noch etwa 10.000 qm für Sonderschauen auf dem Deutzer Friedhof, in der Dauer-Kleingartenanlage am Pfälzischen Ring und in der Stegerwaldsiedlung. 2,5 Mio. Pflanzen waren zu finden – zum Auftakt blühten 400.000 Hyazinthen, Tulpen und Narzissen. Auf die Frühjahrsblüher folgten 40.000 Bäume und Blütensträucher, tausende Lilien, Schwertlilien und Rhododendronbüsche, eine halbe Million winterharte Blütenstauden, 100.000 Knollenbegonien und über eine Million Einjahresblumen. Den Abschluss bildeten im Herbst Chrysanthemen und Dahlien. Neben der Flora spielte die Architektur eine wesentliche Rolle. Im nördlichen Teil wurde auf 30.000 qm der Jugendpark angelegt. Für die Gastronomie wurden Hochbauten errichtet; Der Architekt Hans Schilling zeichnete für das Rheinrestaurant verantwortlich, von Steinüchel-Rheinwall für das Parkhaus und Rümpler für die Rosenterrassen (Rosencafé). Zur Ausstellung wurde die 624 m lange Rheinseilbahn gebaut. Ihr Betrieb war zunächst für vier Jahre genehmigt, später wurde sie abgebaut und nach dem Bau der Zoobrücke 1966 wiedererrichtet. Durch das Parkgelände selbst verlief eine 700 m lange Sesselbahn. Beide Bahnen hatte die Kölner Fa. Pohlig errichtet und betrieb sie gemeinsam mit der KVB. Durch das Gartengelände fuhr auch eine 1,9 km lange Liliputbahn, eine Kleinbahn mit einer Spurbreite von 381 mm, deren drei Dampflokomotiven den Krieg im Betriebsbahnhof der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahnen überstanden hatten. Sie wurde 1958 nach Großbritannien verkauft. 1971 wurde mit einer Spurbreite von 60 mm der heutige Streckenverlauf der Kleinbahn gebaut. Was aber die Kölner Bundesgartenschau von 1957 heraushebt, das waren die Konstruktionen von Frei Otto (*1925). Er entwarf das Tanzbrunnenzelt, dessen Leichtigkeit auf der hier abgebildeten Entwurfszeichnung von Frei Otto gut zu erkennen ist. Das Dach schwebt wie „ein Petticoat“, wie „eine Krone“, es wirkt nicht erdrückend und trägt zur ausgelassen heiteren Stimmung der Anlage bei. Das Dach, das aus einem Baumwollschwergewebe bestand, wog 2450 kg bei einer überdachten Gundfläche von 684 qm. Die diagonale Spannweite zwischen den Masten betrug 33 m, die Höhe der Mastspitzen erreichte 8,6 m. Die Konstruktion eignete sich nur für den Sommer, im Herbst wurde sie abgehangen. Aus ästhetischen und statischen Gründen wurde sie nach 30 Jahren ganz abgebaut und durch eine überarbeitete Replik ersetzt. Zur Bundesgartenschau 1971 kamen die Zelte von Frei Otto hinzu. Auch der damals viel gelobte Eingangsbogen wurde von Frei Otto entworfen. Er strahlte nicht zuletzt dank des verwendeten Glasseidengewebes eine unglaubliche Leichtigkeit aus und zeigte je nach Standpunkt des Betrachters eine völlig veränderte Gestalt. Die vor 50 Jahren am 26. April 1957 von Bundeskanzler Konrad Adenauer eröffnete Bundesgartenschau zog 4,3 Millionen Besucher an – trotz eines völlig verregneten und kalten Septembers. Der Kostenrahmen von 4,6 Mio DM wurde überschritten und machte 1957 einen Nachtrag erforderlich.

R. Wagner