125 Jahre Jan von Werth-Brunnen

Bild der 8. Woche - 23. bis 1. März 2009

Werth-Brunnen in Köln Lichtdruck, 24 x 16 cm aus: Hermann Maertens, Deutsche Denkmale, Verl. v. Jul. Hoffmann, Stuttgart, 1892, T. 43 Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Teil 1: „Den Bürgern zur Annehmlichkeit“ Der Altermarkt in Köln ist in diesen Tagen wieder eines der Zentren karnevalistischen Treibens. An Weiberfastnacht wird dort traditionell der Straßenkarneval eröffnet und auch an den weiteren Tagen ist dieser Platz immer wieder Treff- und Ausgangspunkt für Umzüge und Feiern. Mitten auf diesem Platz steht der Jan von Werth-Brunnen, dessen Hauptperson auch eine wichtige Rolle im Karneval spielt. In diesem Jahr feiern wir das 125jährige Bestehen dieses Brunnens, aus diesem Anlass hier heute und nächste Woche zwei Bilder der Woche: Im Oktober 1881 beschloss der Kölner Verschönerungsverein auf Vorschlag von Christian Boisserée eine Konkurrenz zu Entwürfen für einen Laufbrunnen auf dem Kölner Altermarkt auszuschreiben, dessen Thema der Reitergeneral Jan von Werth (1591–1652) sein sollte. Auch für weitere Plätze seiner Vaterstadt plante er Kunstbrunnen zu Kölns Legende und Geschichte (wie z. B. dem einige Jahre später errichteten Heinzelmännchenbrunnen oder dem Hermann-Josef-Brunnen). Natürlich war es kein Zufall, dass man zehn Jahre nach dem Sieg über Frankreich als erstes eine Figur wählte, die noch heute in Frankreich übel beleumdet ist und die zu Lebzeiten den Beinamen „Franzosenschreck“ trug (zur Biographie vgl. BdW 31/1997). Im Juli 1882 wurde der erste Preis dem prominenten Kölner Bildhauer Wilhelm Albermann (1835–1913) zuerkannt. Die Architektur des Brunnens überarbeitete Baurat Hermann Pflaume. Auf ihn gehen die Renaissance-Anleihen zurück. Im Mai 1883 stimmte die Stadtverordnetenversammlung der Errichtung des Brunnens auf dem Altermarkt zu. Allerdings lehnten die Stadträte es entschieden ab, ein Viertel der Kosten von 20 000 Mark (zum Vergleich: ein durchschnittliches Arbeiterjahreseinkommen betrug 1000 Mark) aus der Stadtkasse beizutragen. Man erklärte sich lediglich dazu bereit, die Fundamentierung zu übernehmen, die mit 1000 Mark veranschlagt wurde, dann aber doch 700 Mark mehr kostete. Zudem sollte die Stadt später die laufenden Kosten tragen. Das Geschenk scheint die Stadt aber weit mehr gekostet zu haben, denn Hermann Maertens berichtet: „In gleicher Weise wurden durch die Stadt die Kosten für Zuleitung und Ableitung des Wassers incl. der vier Wasserspeier mit ca. 5000 Mark bestritten“. Das Brunnenprojekt war so populär, dass der Rosenmontagszug des Jahres 1884 unter dem Motto „Jan von Werth“ ging. (Inwiefern die leitenden Herren in Festcomitee und Verschönerungsverein in Personalunion agierten oder es sich nur um den üblichen Klüngel handelt, entzieht sich der Kenntnis der Verfasserin). Im folgenden Juli 1884 wurde der „Johann von Werth-Brunnen“ offiziell der Stadt übergeben. Im Begleitschreiben äußerte der Kölner Verschönerungsverein den Wunsch, der Brunnen möge „durch Jahrhunderte den Bürgern zur Annehmlichkeit dienen“. Schon kurz nach Inbetriebnahme mehrten sich Beschwerden über Jugendliche, die mit dem Brunnen Unfug trieben, weswegen die Feuerwache im Rathaus die Aufsicht und regelmäßige Reinigung übernehmen sollte, bis sich die Neulust gelegt habe (so die unaufgeregte Antwort von Oberbürgermeister Hermann Becker)

R. Wagner