Nächtliche Raucher

Bild der 32. Woche - 10. bis 16. August 2009

Franz Hohenberger (1867-1941) Auf einer blauen Matte liegende Japanerin, 1895 Pastell, Tusche mit leichten Farben auf Karton, 27,5 x 37,2 cm Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Inv. Nr. Ad 113

Das Jahr 2009 stellt für das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln ein besonderes Datum dar: 100 Jahre ist es her, seitdem das Ehepaar Adolf und Frieda Fischer als Frucht langer Jahre des Reisens und Zusammentragens der Stadt ihre Sammlung übergaben und damit das erste eigenständige Museum für ostasiatische Kunst in Deutschland gründeten. Von seinem zweijährigen Japanaufenthalt (1895-96) berichtete Adolf Fischer folgende Episode (Auszug aus: Adolf Fischer: "Bilder aus Japan", Berlin 1897, S. 4 ff.): Kaum hatte ich mich hingelegt, in der trügerischen Hoffnung, bis zum nächsten Morgen ½ 5 Uhr ohne Unterbrechung durchschlafen zu können, da kamen zu einigen schlitzäugigen Lebemännern nebenan Geishas (Tänzerinnen) aus einem Theehause. Nun ging das Geklimpere, Gesinge und Gekichere los und dauerte die halbe Nacht durch; zuweilen kam mir schon der Gedanke, ob ich nicht eine Papierthüre beiseite schieben und mich bei meinen so rücksichtsvollen Nachbarn einladen solle; aber schließlich zog ich es doch vor, von neuem Schlafversuche zu unternehmen, was mir auch bei der einschläfernden Wirkung, welche die japanische Musik auf mich ausübte, gelungen wäre, wenn mich nicht die höllischen japanischen Tabakpfeifchen zur Verzweiflung gebracht hätten. Da der Japaner nie eine Nacht ordentlich durchschläft, wie ein Europäer unter normalen Umständen, sondern während der Nacht raucht und Thee trinkt, so werden abends vor dem Schlafengehen nochmals glühende Kohlen in sein neben der Matratze stehendes Hibachi gelegt, sowie Theerequisiten und Rauchzeug. Wohnt von diesen unruhigen Geistern selbst ein verhältnismäßig zahmer im papierenen Nebenkäfig, so kann man doch sicher sein, mindestens mehrmals während der Nacht gestört zu werden. Der Sinn für das Niedliche, der dem Japaner inne wohnt, drückt sich kaum in etwas sichtbarer aus, als in seinem Pfeifchenrauchen, und tagsüber machte es mir immer Spaß, Männlein und Weiblein rauchen zu sehen, aber zu nachtschlafender Zeit hasse ich diesen Zeitvertreib. Mehr als zwei bis drei Züge kann der Raucher aus dem kleinen metallenen japanischen Pfeifchen nicht machen, daher dreht er in seinem Tabaksbeutel schon immer eine neue Pille, die er sofort an der noch brennenden Asche des ausgeklopften Pfeifchens anzündet. Dies Ausklopfen der Pfeifchen in das haifuki, eine Art Aschenbecher aus einem Stück Bambus, geht einem durch Mark und Bein, denn die mit dem Metallköpfchen gegen den Bambus geführten Schläge erzeugen einen so harten, scharfen, trockenen Ton, daß man dadurch aus dem tiefsten Schlaf aufgerüttelt wird. Kaum graut der Morgen, so werden die "Amados", das sind Bretter, welche über Nacht vor die das japanische Haus umlaufende Terrasse in Falzen eingeschoben werden, damit kein Diebe einsteigen können, wieder weggezogen und in eine Nische am Ende der Veranda aufgehoben. Bei Nacht ist man also eingeschlossen, frische Luft zu schöpfen ist unmöglich; diese vorgeschobenen Laden erinnern mich immer an einen Raubtierkäfig, der auf Reisen geschickt wird. Das Herausschieben der Amados macht natürlich einen Höllenlärm; man glaubt in einem Eisenbahnzug zu sitzen, der über eine Holzbrücke fährt. Für die Shintoisten ist es das Zeichen zum Beten, und da beginnt denn auch das Händeklatschen, wodurch man nach dem Shintoglauben die Götter herbeiruft. Froh war ich, als die Nacht zu Ende ging. ,

Museum für Ostasiatische Kunst