„Ein ruhiges, vornehmes Schatzhaus“

Bild der 42. Woche - 19. bis 25. Oktober 2009

Blick auf das erste, von dem Architekten Franz Brantzky geplante Gebäude des Museums für Ostasiatische Kunst an der Adolf-Fischer-Straße (früher Bremer Straße) und Gereonswall
Frieda und Adolf Fischer

Die Gründung des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln „Alle Gedanken konzentrieren sich auf das Eine, unsere Museumsidee. Noch scheint es eine Kühnheit, die ostasiatische Kunst als gleichberechtigt neben die europäische zu stellen, noch gibt es in Europa kein Museum eigens für jene Kunst. Unbetretene Pfade sind es, die wir gehen wollen. (...). Wir haben uns einen Überblick geschaffen über das, was Europa an ostasiatischer Kunst besitzt. Wir kennen die Museen und Privatsammlungen in London, Paris, wir studierten solche in Frankfurt, München, Leipzig, Dresden, Wien und Berlin (…). Nirgends aber hat man versucht, ein einheitliches Bild der gesamten ostasiatischen Kunst zu geben, sie in ihren Entwicklungsphasen darzustellen. Das aber ist unser Bestreben. Malerei und Plastik, diese Hauptpfeiler der bildenden Kunst, sollen führend sein; die anderen, die sogenannten angewandten Künste, werden sich ihnen anschließen. (…) Wir werden dieser Kunst nicht einen fürstlichen Palast erbauen. Ein ruhiges, vornehmes Schatzhaus soll es werden, das selbst nicht spricht, sondern nur die Kunstwerke zu Wort kommen lässt. Keine Repräsentationssäle oder pompöse Treppenhäuser sieht unser Plan vor, sondern stille Räume, die zu einem Sichversenken in die Kunstwerke einladen. (…) Mit einem fertigen Projekt treten wir an die Stadt Köln heran, an die uns Bande der Freundschaft fesseln und die uns der richtige Ort für unser Werk scheint, Köln, die rührige Metropole des Westens mit Verbindungen nach allen Himmelsrichtungen hin, mit altem Kulturboden, auf dem neben großer Wirtschaftskultur eine reiche Geisteskultur blüht. Kunstliebende Männer waren es, deren Sammeltätigkeit Köln zu einer maßgebenden Museumsstadt machten. Ihrem Vorbild schließen wir uns begeistert an, indem wir dem Westen den Osten hinzufügen.“ So beschreibt Frieda Fischer (s. Abb. rechts) in ihrem 1942 veröffentlichten Buch, „Chinesisches Tagebuch“, auf Seite 178 die hoffnungsvollen Erwartungen, die im Jahr 1909 zur Gründung des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln führten. Tatsächlich war der Weg, den das Sammlerehepaar Adolf (1856-1914) und Frieda Fischer (1874-1945) zur Verwirklichung dieses Ziels zurückgelegt hatte, keinesfalls so geradlinig und unkompliziert, wie man aus der Tagebuchnotiz vermuten könnte.Nach Verhandlungen in Berlin und Kiel fanden sie in Köln Bedingungen vor, die es ihnen ermöglichten, ihre Lebensaufgabe, die Gründung eines Museums für Ostasiatische Kunst, in die Tat umzusetzen. Schon 1913 konnte das Haus eröffnet werden. Es war dies das erste eigenständige Museum für die Kunst Ostasiens in Europa. Von anderen, bereits existierenden Museen unterschied es sich, weil es nicht nur einzelne Gattungen wie religiöse Kunst bzw. Materialgruppen wie Bronze, Keramik und Porzellan präsentierte, sondern einen umfassenden Überblick über die Vielfalt der Formen und Epochen ostasiatischer Kunst vermitteln wollte.

A. Schlombs