Bild der 43. Woche - 26. Oktober bis 1. November 2009

Blick auf das erste, von dem Architekten Franz Brantzky geplante Gebäude des Museums für Ostasiatische Kunst an der Adolf-Fischer-Straße (früher Bremer Straße) und Gereonswall
Frieda und Adolf Fischer

Das Jahr 2009 stellt für das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln ein besonderes Datum dar: 100 Jahre ist es her, seitdem das Ehepaar Adolf und Frieda Fischer als Frucht langer Jahre des Reisens und Zusammentragens der Stadt ihre Sammlung übergaben und damit das erste eigenständige Museum für ostasiatische Kunst in Deutschland gründeten. Im vorhergehenden Bild der Woche berichteten wir von den Gedanken, welche das Ehepaar Fischer (s. Abb. rechts) mit seiner Stiftung verband. Hier nun sollen weitere historische Details berichtet und die Namen der handelnden Personen genannt werden: Köln, das seit dem 13. Jahrhundert auf eine ungebrochene Tradition als freie Reichsstadt zurückblickte und niemals als Residenzstadt für Adel oder Klerus gedient hatte, verfügte 1909 bereits über eine Reihe bürgerlicher Museen wie das Wallraf-Richartz Museum, das Rautenstrauch-Joest-Museum und das Museum für Kunst und Gewerbe. Sie alle waren nicht aus fürstlichen Sammlungen, sondern aus den Stiftungen wohlhabender Mäzene hervorgegangen. Sie spiegelten das Selbstbewusstsein, die Aufgeschlossenheit und die Lebenskultur der Kölner Bürgerschaft. In diese Tradition konnte sich das Museum für Ostasiatische Kunst einreihen. Dank der Vermittlung durch den Direktor des Kölner Museums für Kunst und Gewerbe, Dr. Max Creutz (1876-1932), vor allem aber wegen des Engagements von Oberbürgermeister Max Wallraf (1859-1941), kam es im Frühsommer 1909 zu Verhandlungen zwischen dem Ehepaar Fischer und der Stadt Köln. Um die Stadtverordneten von der Idee zu überzeugen, argumentierte Creutz, das neue Museum sei dazu prädestiniert, wie in England dem Kunstgewerbe und der angewandten Kunst wichtige Anregungen zu vermitteln und Impulse für einen Aufschwung des Kunst- und Industriehandwerks zu liefern. Er setzte sich für einen Bau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kunstgewerbemuseum ein. Schon am 3. Juni 1909 fasste der Rat der Stadt Köln den entscheidenden Beschluss zur Gründung des Museums für Ostasiatische Kunst und am 21. Juni fand die Vertragsunterzeichnung statt. Dabei dürfte das Engagement des Kommerzienrats Arnold von Guilleaume (1868-1939) eine entscheidende Rolle gespielt haben. Dieser rief den „Verein zur Förderung des stadtcölnischen Museums für ostasiatische Kunst“ ins Leben, dem neben Oberbürgermeister Wallraf namhafte Kölner Bürger, Fabrikanten und Bankiers, darunter etwa Franz Xaver Bachem, Dr. Carl Joest, Gottlieb von Langen, Alfred Neven DuMont, Albert und Dr. Emil von Oppenheim, Moritz Seligmann, Heinrich von Stein sowie Julius und Fritz Vorster beitraten. Die Mitglieder verpflichteten sich, zum Budget des Museums Jahresbeiträge in Summen von 10.000 Mark an die Stadt Köln zu überweisen. Auf diese Weise sollten die auf die Stadt Köln entfallenden Kosten gemindert und weitere Ankaufsreisen ermöglicht werden. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs trug der Verein 1/6 bis 1/10 der im Haushaltsplan für das Museum veranschlagten Mittel bei. Der zwischen der Stadt Köln und dem Sammlerehepaar geschlossene Vertrag enthielt im Wesentlichen folgende Bestimmungen: Für die Hingabe der Sammlungen und der Bibliothek sollte die Stadt Köln dem Stifter – und nach seinem früheren Ableben seiner Gemahlin Frieda, geb. Bartdorff – bis ans Lebensende eine Jahresrente in Höhe von 6.500 Mark zahlen. Außerdem sollte Adolf Fischer ein Kapital in Höhe von 100.000 Mark zum Museumsbau beisteuern. Dafür wurde eine weitere Leibrente von jährlich 5.000 Mark gewährt. Das Museum für Ostasiatische Kunst sollte eine eigenständige Abteilung des Kunstgewerbemuseums bilden. Als Direktor wurden der Stifter, und nach seinem Ableben seine Gemahlin, auf Lebenszeit als städtische Oberbeamte ohne Gehalt eingesetzt. Das jährliche Ankaufsbudget sollte 3.000 Mark betragen. Für die Baukosten wurden 230.000 Mark veranschlagt, während sich das Budget für die Innenausstattung auf 70.000 Mark belief. Unser Bild zeigt das 1913 schließlich eröffnete Museum im Rohbau.

A. Schlombs