Nach der Polonaise ließ seine Majestät den Herrn Stadtbaumeister zu sich bescheiden ...

Bild der 50. Woche - 14. bis 20. Dezember 2009

Prunkvase des Kölner Stadtbaumeisters Johann Peter Weyer (1844), Porzellan, bemalt, vergoldet, Höhe: 44 cm, Durchmesser: 16,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum HM 1898/121

Der 12. September 1842 war ein großer Tag im Leben des Kölner Stadtbaumeisters Johann Peter Weyer (1794-1864). An diesem Tag wurde er dem preußischen König vorgestellt. König Friedrich Wilhelm IV. war anlässlich der Grundsteinlegung zum Fortbau des Kölner Domes am 4. September nach Köln gekommen und hatte sich eine Woche lang im Rheinland aufgehalten. Am 12. September veranstaltete die Stadt Köln ihm zu Ehren ein Bürgerfest und einen Ballabend. Die Kölnische Zeitung berichtete am nächsten Tag über das Ereignis: "Bei der allgemeinen Illumination der Stadt fuhren ihre Majestäten (...) durch die beleuchteten, von Menschen überfüllten Straßen nach dem historisch merkwürdigen Hause ‚Zur Rheingasse', auch Templerhaus genannt. Hier hatte die Stadt einen Festball veranstaltet, wozu in dem Hof des Hauses ein großer Pavillon erbaut war (...). Dieser improvisierte Prachtbau ist seinem Entwurfe nach ein Werk unseres Stadtbaumeisters Weyer (...). Allgemein war die Anerkennung welche diese Halle bei den allerhöchsten Herrschaften und dem ganzen glänzenden Kreise der hohen Gäste fand. (...). Nach der Polonaise ließ seine Majestät (...). den Herrn Stadtbaumeister zu sich bescheiden, um demselben Allerhöchstihre Anerkennung der Schönheit des Locals auszusprechen." Zur Erinnerung an diesen ruhmreichen Tag wurde für Johann Peter Weyer im Jahre 1844 eine Prunkvase angefertigt, die sich seit 1898 als Stiftung von Kommerzienrat Rautenstrauch im Kölnischen Stadtmuseum befindet. Die Vase ist ein äußerst repräsentatives, zugleich aber auch ein sehr persönliches Erinnerungsstück. Sie zeigt nicht den Dom, dessen angestrebte Vollendung gefeiert wurde. Dargestellt ist statt dessen das Innere des von Weyer erbauten hölzernen Festsaals, dessen Konstruktion ihm den Ruhm des herrscherlichen Lobes einbrachte. Auch um das im Zeitungsartikel beschriebene Haus Overstolz zur Rheingasse hatte sich Weyer Verdienste erworben. Dieses spätmittelalterliche Baudenkmal hatte der Stadtbaumeister vor dem drohenden Abriss bewahrt und seine Restaurierung angeregt, so dass das neue städtische Schmuckstück anläßlich des Königsbesuches als Schauplatz des Ballabends dienen konnte. Der Platzmangel in dem ehemaligen Bürgerhaus und die noch unvollendete Restaurierung machten den Bau des ephemeren, hölzernen Ballsaales im Garten des Hauses nötig, den man kurz nach der Feier bereits wieder abriss, der aber in diesem Vasenbild verewigt wurde.

I. Benner