Die „Flora“ lebt!

Bild der 52. Woche - 28. Dezember 2009 bis 3. Januar 2010

Großes Tropenhaus mit Bambusbrücke Köln, Theo Felten, 1953 Fotografie, 22,6 x 15 cm Kölnisches Stadtmuseum –Graphische Sammlung

Nach schweren Kriegszerstörungen wurde – in dieser Woche vor 60 Jahren, am 29.12.1949 - die Kölner „Flora“ wieder für die Bevölkerung geöffnet. Während des Krieges war der Botanische Garten, im Volksmund „Flora“ genannt, von 120 Sprengbomben getroffen worden, der Wintergarten, die Gewächshäuser und der Floratempel lagen in Trümmern. Neben großartigen Baumveteranen aus dem 19. Jahrhundert hatten nur drei Aspidistren den Krieg überstanden, aber Botanische Gärten aus der ganzen Welt halfen, eine neue Pflanzensammlung zu erstellen, u. a. durch die Überlassung einer Kakteensammlung aus den Niederlanden. Noch in den Ruinen des Wintergartens entstand der erste Kölner Nachkriegsfestsaal, der besonders zu Karneval stark frequentiert wurde. Für den Wiederaufbau des nur teilweise zerstörten Wintergartens im alten Stil fehlten die finanziellen Mittel, zudem entsprach sein Neobarock nicht mehr dem Zeitgeschmack. Deshalb entschied man sich für eine pragmatische Lösung: Ein ziegelgedecktes Walmdach ersetzte das ehemalige Tonnendach aus Glas und auf die Ecktürme – Belvedere – wurden kleine Zeltdächer gebaut. Die Fassade blieb weitgehend erhalten. Das Gebäude auf der Rückfront wurde jedoch gänzlich abgebrochen und durch einen sterilen Küchentrakt ersetzt. Im Inneren wurden die gusseisernen Säulen aus den Anfangsjahren mit Beton und Gips verkleidet, die filigrane Ornamentik zum Teil zerschlagen. Auch der kleine Flora-Tempel, an dem nur das Dach beschädigt war, wurde komplett abgerissen und wanderte in die Schottertragschicht der Stammheimerstraße, stattdessen baute man ein gepflastertes Rundbecken mit Springstrahl. Das große Französische Parterre wurde vereinfacht, die Fontäne mutierte zum Springstrahl und der Frauen-Rosenhof, eines der Jugendstilschmuckstücke der Anlage, wurde von Wilhelm Riphahn in ein zweigeschossiges Gebäude umgebaut. Auch die übrigen Gebäude waren so stark zerstört, dass ein Wiederaufbau nicht lohnenswert erschien und so entstanden neue Gewächshäuser, nach modernen Gesichtspunkten konstruiert: 1950 wurde als erstes das Kleine Tropenhaus mit den tropischen Nutzpflanzen fertig gestellt, 1953 folgen das Große Tropenhaus mit der Vielfalt des tropischen Regenwalds und mit der als Fotomotiv beliebten Bambusbrücke (unser Bild) im Innern sowie das Sukkulenten- oder Wüstenhaus, die erste neue Gewächshausgruppe in Deutschland nach dem Krieg und damals modernste Europas. 1954 konnte ein Heidegarten unter Einbeziehung einer früheren Tennisanlage angelegt werden, 1960 wurden die Schauhäuser wieder errichtet. 1964 kamen neben dem Subtropenhaus neue Anzuchthäuser hinzu, im folgenden Jahr entstanden ein Wandelgang als Verbindung zwischen den Schauhäusern und ein Tropenhof mit dem Victoria-Regia-Becken davor. Kurz darauf drohten der altehrwürdigen Flora Parzellierung und Siedlungsbau, es war sogar geplant, die neue Stadtautobahn hindurchzuführen. Ende der 1970er Jahre wurde die Flora-Gaststätte restauriert, die gusseisernen Pfeiler wurden wieder frei gelegt. Gleichzeitig erhielt die Terrasse mit den neuangepflanzten Scheinzypressen den Charme eines Friedhofs. 1982 gründete sich ein Förderkreis, 1984 folgte die Grüne Schule und ab 1986 begann man damit, die Gartenanlage nach dem Lennè’schen Plan von 1862 zu restaurieren. Das Wegesystem, das eine Gesamtlänge von 1 km hat, wurde grundlegend erneuert, die Beete wurden anhand alter Pläne erneuert, die Kaskade und das Französische Parterre wiederhergestellt, so dass die Flora zum 125-jährigen Jubiläum 1988 in altem Glanz erstahlte. Als nächste große Arbeiten stehen der Neubau der Schauhäuser und die Restaurierung des Wintergartens, der wieder ein Kuppeldach nach altem Vorbild erhalten soll, an.

R. Wagner