Die Flora

Bild der 1. Woche - 4. bis 10. Januar 2010

Blick in den Flora-Wintergarten Köln, Theodor Creifelds, 1880 Fotografie, 39,5 x 31,2 cm Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Nachdem im letzten Bild der Woche anläßlich des 60. Jahrestages der Wiedereröffnung über den Wiederaufbau der Kölner Flora berichtet wurde, wenden wir uns in diesem Bild der Woche ihrer Gründungsgeschichte zu. Der Botanische Garten an der Marzellenstraße musste 1859 dem neuen Centralbahnhof weichen. Als Ersatz schuf sich das Kölner Großbürgertum eine repräsentative Anlage vor den Toren der Stadt in Riehl. 1862 gründete ein Dutzend Großindustrieller, Bankiers und Kaufleuten die Flora AG. Die preußische Königin Augusta übernahm die Schirmherrschaft. Auf 22 Morgen ließ der erste Gartendirektor der Flora, Julius Nieprasck, ab Oktober 1862 nach dem Entwurf des königlichen Gartendirektors und gebürtigen Rheinländers Peter Joseph Lenné (1789–1866) in unmittelbarerer Nachbarschaft zum Zoologischen Garten die Flora anlegen. Deren Gartenanlagen konnten schon im August 1863 dem Publikum übergeben werden. Den Mittelpunkt der Anlage bildete jedoch der 1864 eröffnete Wintergarten, ein 57 x 22,5 Meter großer und 18 Meter hoher palastartiger Bau aus Gusseisen und Glas (unser Bild) nach dem Vorbild des Londoner Crystal Palace und des Pariser Jardin d’hiver, entworfen von den Kölner Architekten Max Nohl und Joseph Felten, überarbeitet von Herrn (Ferdinand?) von Arnim. Zwischen Haupteingang und Glaspalast wurde ein „Französisches Parterre“ mit neobarockem Teppichbeet und Fontänenbassin angelegt. Beliebt beim Publikum war auch die südliche Kaskade im altitalienischen Stil mit einem Flora-Tempel, dessen Flora-Statue der Kölner Bildhauer Anton Werres in Rom nach antikem Vorbild geschaffen hatte. Schon bald nach Fertigstellung des Wintergartens wurde offensichtlich, dass man für die tropischen Pflanzen eine eigene Orangerie-Halle benötigte (1865), weil das tropische Klima im Palmenhaus für größere Gesellschaften unerträglich war. 1869 wurde ein Aquarium eröffnet, finanziert aus Spenden der Aktionäre (1907 aus finanziellen Gründen aufgegeben). Im folgenden Kriegsjahr konnten nur die Fürsprache der königlichen Protektorin und die Hinterlegung einer hohen Kaution die Niederlegung des Gartens verhindern. 1875 wurde das Terrain nach Westen erweitert und an der Nordgrenze eine Gewächshausreihe eröffnet, deren Hauptattraktion das achteckige Victoria-Haus für seltene Seerosen und tropische Sumpfpflanzen war. In der Flora wollte die ‚Gesellschaft’ unter sich sein, deshalb wurde ein hoher Eintritt von 10–15 Groschen (der durchschnittliche Tageslohn betrug 20 Sgr.) verlangt. Aber 1890 schrieb die in die Jahre gekommene Flora erstmals rote Zahlen, viele neuartige Vergnügungsmöglichkeiten waren für das Publikum attraktiver. Die „Deutsche Kunstausstellung“ von 1906 brachte Jugendstilelemente in die Flora, es entstanden z. B. die Tonhalle von Peter Behrens und der Frauen-Rosenhof von Josef Maria Olbrich. Und doch musste die Stadt Köln 1907 erstmals einen Zuschuss zum Betrieb der Flora geben. 1909 drohten Verkauf und Parzellierung. Mittlerweile plante die Stadt aber die Verlegung ihres Botanischen Gartens in die Nachbarschaft und erwarb daher neue Flora-Aktien im Wert von 500.000 Mark, womit die AG Schulden tilgte und Anlagen modernisierte, u. a. wurde die Beleuchtung elektrifiziert. 1912 übernahm die Stadt den Unterhalt mit Ausnahme des Wintergartens, nun war die AG auch zu sozialen Konzessionen bereit und senkte die Eintritte erheblich. Den dadurch bedingten Verlust sollte die Stadt aber (bis 1916) ausgleichen. Der neue Botanische Garten wurde 1912–1914 nach Plänen von Peter Esser (1859–1945) errichtet und 1915 an die Flora übergangslos angeschlossen. Zuvor hatte der Botanische Garten, als Schullehrgarten konzipiert, an der Vorgebirgsstraße gelegen, musste hier aber der Eisenbahn weichen. Flora, für die die Stadt bis 1949 eine jährliche Pacht von 10.000 Mark an die Aktionäre zahlte, und Botanischer Garten wurden 1920 zu einer 11,5 Hektar großen Anlage zusammengefasst, nachdem schon 1919 der Eintritt entfallen war. Damit war die Flora nur noch ein Bestandteil des Botanischen Gartens, aber im Volksmund wurde ihr Name auf diesen übertragen und so heißt die beliebte Anlage bis heute „die Flora“.

R. Wagner