"Alles Irdische ist vergänglich wie eine Seifenblase –
Ein Glasfenster im Museum Schnütgen"

Bild der 2. Woche - 11. bis 17. Januar 2010

Zwei seifenblasende Knaben, Glasfenster, Köln, um 1530 Inv.-Nr. M 572 Maße: 82 x 58 cm

In einem gefliesten Raum spielen zwei lockenköpfige, unbekleidete Knaben mit Seifenblasen. Der linke ist ganz in sein Spiel vertieft und richtet seinen Blick auf die Seifenschale in seiner Hand, aus der gerade eine neue Blase emporsteigt. Der zweite Knabe hingegen blickt verträumt den aufsteigenden Blasen hinterher. Im Hintergrund öffnet sich eine hügelige Landschaft. Den oberen Bildrand der 82 cm hohen und 58 cm breiten Glasscheibe ziert ein teilweise beschnittenes Spruchband mit der Aufschrift: "Sic (transit) gloria mundi" (So vergeht der Ruhm der Welt). Damit wird ein klarer Hinweis auf die Bedeutung der Darstellung gegeben. Das Bild der Seifenblase geht auf ein Sprichwort des antiken Autors Marcus Terentius Varro zurück: "Homo bulla" (Der Mensch ist wie eine (Luft-) Blase). Erasmus von Rotterdam nahm dieses Sprichwort 1508 in seine Sprichwörtersammlung Adagia auf. Es wurde schließlich zum populären Motto der humanistischen Literatur und das Motiv der Seifenblase in der Nachfolge zu einem festen Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens wie auch der irdischen Güter und Reichtümer. Seifenblasende Kinder oder Putten treten im späten 16. und 17. Jahrhundert vor allem in den Niederlanden auf Stichen und, in genrehafter Kleidung, auch auf Tafelbildern auf. Besonders die Kinderdarstellungen des Antwerpener Malers Quentin Massys stehen den beiden Kindern auf dem Glasgemälde stilistisch sehr nahe, weshalb es in die Zeit um 1530 datiert wird. Trotz enger stilistischer und gedanklicher Verbindungen zu den Antwerpener Romanisten scheint es allerdings wahrscheinlicher, daß das Glasfenster in Köln entstanden ist. So entspricht die transparente, tonige Braunlotmalerei und die in Grisaille und Silbergelb gehaltene Farbigkeit ganz der eleganten Tradition der Kölner Glasmalerei. Einen Hinweis auf eine ehemals kirchliche Herkunft gibt möglicherweise die Schriftzeile am Fuße des Glasfensters: "s petry". Diese ergibt nur einen Sinn, wenn man sie als Tonartzeichen auffaßt. Dann ließe sich das Inschriftenfragment zusammen mit der zugehörigen Notenschrift möglicherweise in Zusammenhang mit dem Psalm 26,4 "(Unam) petii a domino" (Eines erbitte ich vom Herrn) bringen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es sich bei diesem Wortfragment tatsächlich um den vertonten Text handelt, da dieser in vergleichbaren Handschriften immer unterhalb der Notenzeile erscheint. Vielleicht sollte man in diesem Text eher eine Überschrift vermuten, die den jeweiligen Festtag oder Messeteil kennzeichnete. Die Tatsache, daß die Scheibe ursprünglich aus der Sammlung Wallraf stammt, legt es nahe, den Ursprung des Fensters in einem der Kölner Kloster zu vermuten. In Frage käme zum Beispiel das 1807 abgerissene Kölner Augustiner-Eremiten-Kloster, das den Quellen nach eine Anzahl von Fenstern aus dem 16. Jahrhundert besessen hat, von denen einige ein religiös-allegorisches Programm zeigten.

T. ZervosenM. Störmer