Die Küche des Malers

Bild der 4. Woche - 25. bis 31. Januar 2010

Wilhelm Leibl (Köln 1844 - 1900 Würzburg), Mädchen am Herd, 1895 gemalt, Mahagoniholz, 41 x 32 cm, Wallraf-Richartz-Museum, WRM 1153, 1911 erworben

Schauplatz dieser intimen Komposition ist die Küche des Malers Wilhelm Leibl in Kutterling. Sie wird nicht als festes, linear und perspektivisch definiertes Raumgebilde dargestellt, sondern ist als in ihren Begrenzungen nicht eindeutig erkennbare Folie für die Bilderzählung gegeben. Vor dem großen, nur skizzenhaft angedeuteten Herd steht ein junges Bauernmädchen (vielleicht Leibls spätere Köchin und Haushälterin Marie Ebersberger), das mit einem bläulichen Rock und leuchtend roter Bluse bekleidet ist und in der rechten Hand ein Reisigbündel zu halten scheint, mit dem es das Herdfeuer nähren will. Der Raum ist in anheimelndes Dämmerlicht gehüllt. Einzige sichtbare Lichtquelle ist ein kleines Fenster mit Ausblick auf dichtes, im Sonnenlicht transparent wirkendes Blattwerk. Die Gestalt des Mädchens wird allerdings noch durch eine nicht dargestellte Lichtquelle im Vordergrund links herausmodelliert. Auf Herd, Fenstersims und rückwärtigem Pfannenbrett sind stillebenhaft verschiedene Küchengerätschaften arrangiert, die Leibls meisterhaftes Vermögen in der Wiedergabe materieller Qualitäten eindrucksvoll belegen. Der große eiserne Stieltopf auf dem Herd beispielsweise, wohl ein Wassergefäß, ist in seinem metallenen Glanz und in seiner Körperhaftigkeit durch wenige silbrige Farbstriche zugleich bestimmt und zu einer Kostbarkeit geworden, die Glasur des davor stehenden Tongefäßes durch wenige aufgesetzte goldfarbene Lichter zum Strahlen gebracht. In allem zeigt sich genauestes Bemühen um die Umsetzung des Stofflichen ebenso wie um die Darstellung des Atmosphärischen.

G. Czymmek