Bahrfahne mit dem Bildnis des Jan von Werth

Bild der 6. Woche - 8. bis 14. Februar 2010

Bahrfahne mit dem Bildnis des Jan von Werth,Böhmisch 1652, Ölmalerei auf rotem Seidendamast, Kölnisches Stadtmuseum RM 1932/5. Die Fahne wurde 1908 vom Kunstgewerbemuseum erworben und 1932 an das Rheinische Museum (Kölnisches Stadtmuseum) überwiesen

"Jan van Werth" ist in diesen Tagen in Köln wieder ein wichtiger Name. So ist das traditionsreiche Reiter-Korps "Jan van Werth" einerseits eine der großen Karnevalsgesellschaften, andererseits wird durch dieses an Weiberfastnacht die Geschichte des Jan, der in jungen Jahren von der eitlen und hochmütigen Griet verschmäht wurde, lebendig gehalten. In einer Mischung aus Historienspiel und Karnevalsumzug ziehen am kommenden Donnerstag die Mitglieder der Gesellschaft sowie befreundete Karnevalsgruppen von der Severinstorburg zum Jan van Werth-Denkmal auf dem Alter Markt (Start um 13:30 Uhr). Neben dieser Tradition und dem 1882 errichteten Denkmal im Herzen Kölns gibt es ein weiteres Erinnerungsstück an Jan van Werth in der Stadt: Eine Fahne mit seinem zeitgenössigen Porträt. Diese beidseitig bemalte Bahrfahne, die Jan von Werth mit Feldherrenstab und goldgestreifter Kürassier-Rüstung in Halbfigur zeigt, wurde von seinem Dragoner-Regiment gestiftet. Sie hing bei der feierlichen Beerdigung des Johann Reichsfreiherrn von Werth im September 1652 als Dekoration in der Schloßkirche von Benatek. Er hatte es aus kleinsten Verhältnissen zum Feldherrn und Reichsfreiherrn mit eigenem Schloß gebracht - das Motto Napoleons "vom Marschallstab im Tornister" vorwegnehmend. Johann oder Jan wurde 1591 in Büttgen (bei Neuss) als Sohn katholischer Bauern geboren. Schon 1599 zog die Familie nach Köln, wo sie auf dem Raitzenhof der Familie Raitz von Frentz zu Schlenderhahn an der Gereonstraße arbeitete. (Johanns älteste Tochter Irmgardis sollte 1647 in diese adlige Familie einheiraten). Nachdem sich Jan von 1605 bis 1610 auf dem Raitzenhof und auf Schlenderhahn als Knecht verdingt hatte, schloß er sich als Reiter den spanischen Truppen an, um für die Spanier in den Niederlanden zu kämpfen. Ab 1618 konnte er seine Talente als Offizier im kaiserlichen Regiment "Eynatten" beweisen. 1629 trat er in bayerische Dienste, wo er 1632 erfolgreich mit der Nachfolge des Reiterführers und Feldmarschalls Pappenheim betraut wurde. 1635 erhob ihn Kaiser Ferdinand II. in den Reichsfreiherrenstand. Zwei Jahre später befreite er die Feste Ehrenbreitstein von der französischen Belagerung, was ihm den Beinamen "Franzosenschreck" und den Dank der Stadt Köln, die unter der Rheinblockade stark gelitten hatte, in Form einer wertvollen Kette einbrachte. 1638 bis 1642 war Johann von Werth, wie er sich nun nannte, in französischer Gefangenschaft. Schon bald darauf fand man ihn erneut im Kampf gegen die französischen Truppen. Nach dem Zerwürfnis mit dem bayerischen Kurfürsten wegen dessen Sonderfriedensverhandlungen mit den Schweden wechselte Jan 1647 wieder in kaiserliche Dienste, für die er mit Schloß Benatek in Böhmen belohnt wurde.

R. Wagner