KVB - Kölner Verbundbrief

Bild der 9. Woche - 1. bis 7. März 2010

Verbundbrief Köln 14. September 1396 Ausfertigung, Pergament 23 anhängende Siegel Pergament: 53 x 80 cm, mit Siegeln 80 x 80 cm Historisches Archiv der Stadt Köln, Dauerleihgabe im Kölnischen Stadtmuseum

Als letztes Jahr am 3. März 2009 das Historische Archiv zusammenbrach, befand sich ein Exemplar der fünf von diesem gehüteten Verbundbriefe als Dauerleihgabe im Kölnischen Stadtmuseum. Es ist nun das letzte unversehrte Kölner Exemplar. 1288 hatten die reichen Handelsherren, die „Geschlechter“, dem Erzbischof die Herrschaft über die Stadt Köln entrissen. Von internen Kämpfen aufgerieben wurden sie hundert Jahre später von den reich gewordenen Handwerksmeistern und Kaufleuten in einer nahezu unblutigen Revolution vertrieben. Nach dem Sturz der Geschlechter galt es, in Köln eine Verfassungsform zu finden, die ein Regiment einiger weniger Familien unmöglich machen sollte. Das Ergebnis dieser Bemühungen war der Verbundbrief, der am 14. September 1396 in Kraft trat. Diese Stadtverfassung wurde erst 400 Jahre später, am 26. Mai 1796, durch die französische Besatzung aufgehoben. Die Gemeinde, also die in 22 Genossenschaften oder „Gaffeln“ organisierte (männliche) Bürgerschaft Kölns, verband sich untereinander, einem „ungeschiedenen, ungeteilten Rat“ stets beiständig, treu und hold zu sein. Ihm wurde alle obrigkeitliche Gewalt übertragen. Die neue Verfassung gliederte die Kölner Bürger in 22 Gaffeln und jeder Bürger war verpflichtet, sich einer Gaffel anzuschließen. In den Gaffeln waren teils Kaufleute, teils Zünfte, in Köln Ämter genannt, vertreten. Kleinere Ämter wurden mit einem größeren zu einer Gaffel zusammen geschlossen. Im Halbjahresrhythmus (Johannistag und Weihnachten) wurden von den Gaffeln 36 Ratsvertreter gewählt. Die mächtigste Gaffel, die der Weber, stellte vier Ratsherren, elf Gaffeln stellen je zwei, zehn Gaffeln je einen. Diese 36 wiederum kooptierten dreizehn weitere Ratsherren aus der Gemeinde, das „Gebrech“, so dass schließlich 49 Männer dem Rat angehörten. Aus den „ehrbaren und weisen“ Männern der Gemeinde wählte der Rat zwei Bürgermeister als oberste städtische Repräsentanten. Wählbar war nur ein Kölner mit Bürgerrecht, einem Großteil der Stadtbevölkerung (neben allen Frauen, selbst denen mit Bürgerrecht, auch Gesellen, Tagelöhner, alle Nichtkatholischen, Geistlichen, nichtehelich Geborenen usw.) blieb die Ausübung der politischen Macht weiterhin verwehrt. Wenn man ein Amt ein Jahr lang inne gehabt hatte, durfte man es die nächsten zwei Jahre nicht mehr bekleiden. Es gab insgesamt 23 Exemplare des Verbundbriefs: je einen für die 22 Gaffeln sowie für den Rat. Hiervon haben sich (Stand: 3. 3. 2009) neun erhalten: fünf Exemplare im Besitz des Historischen Archivs der Stadt Köln, jeweils ein Exemplar im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf, im Allgemeinen Reichsarchiv in Brüssel, in der École Nationale des Chartes in Paris sowie in der British Library in London.

R. Wagner