Friedrich Karl Hausmann, Galileo Galilei vor dem Konzil der Dominikaner

Bild der 10. Woche - 8. bis 14. März 2010

Friedrich Karl Hausmann (1825 - 1886), Galileo Galilei vor dem Konzil der Dominikaner, 1852, Öl auf Leinwand, 63,5 x 91,5 cm, Wallraf-Richartz-Museum, WRM 1130, erworben 1922

Am 22. Juni 1633 fand im Gerichtssaal der Inquisitionsbehörde im römischen Dominikanerkloster Santa Maria sopra Minerva der Schlußakt eines denkwürdigen Prozesses statt. Seit vielen Jahren schon lag Galileo Galilei, der aus Pisa stammende Mathematiker und Philosoph, mit der katholischen Kirche im Streit um seine wissenschaftlichen Überzeugungen, mit denen er sich nach Ansicht der Inquisition im Gegensatz zu den in der Heiligen Schrift verkündeten Glaubenswahrheiten gestellt hatte. Hauptsächlicher Streitpunkt war die durch eigene Naturbeobachtung gewonnene Erkenntnis, daß die Lehre des fast 100 Jahre vor ihm lebenden Thorner Astronomen Nikolaus Kopernikus von der Sonne als Mittelpunkt des Planetensystems und der Erde als ihrem Trabanten der Wirklichkeit entsprach. Der Prozeß wegen Ketzerei, der manche Vorgänger Galileis, die ebenfalls der Irrlehre bezichtigt wurden, auf den Scheiterhaufen führte, nahm durch seinen gegen eigene Überzeugung beschworenen Widerruf einen glimpflichen Ausgang. Sein angeblicher Schlußsatz vor dem Gericht: "Und sie bewegt sich doch" ist sicherlich Legende, anderenfalls er den Prozeß nicht überlebt hätte. Und doch hat der Maler genau diesen Augenblick, diesen Schlußpunkt des Prozesses, darzustellen versucht (s. Detail). Der greise Gelehrte, in weitem Rund von den Würdenträgern der Kirche umgeben, hat sich vom Pult mit der aufgeschlagenen Bibel abgewandt. Seine Rechte ist zur Faust geballt. Zorn und Trotz scheinen sich in seiner Haltung auszudrücken. Das alles zurücknehmende Wort ist gefallen und übt seine Wirkung auf die Zuhörer aus. Manche haben sich erregt diskutierend ihrem Nachbarn zugewandt, einige scheinen vor Schrecken über diesen ungeheuerlichen Vorgang erstarrt zu sein, andere haben sich vorgebeugt, als trauten sie ihren Ohren nicht. Hausmann gelingt es, die unterschiedlichen Reaktionen der in dem abgeteilten Kirchenraum versammelten Geistlichen nuancenreich wiederzugeben. Seine Malweise ist skizzenhaft. Die einzelnen Figuren sind meist nur in den Grundzügen angegeben, die im Hintergrund Stehenden nur schemenhaft erkennbar. Auch der Raum ist nicht in allen Einzelheiten deutlich herausgearbeitet. Und tatsächlich ist das Gemälde eine wenn auch in vielen Details abweichende Ölstudie zu einem immerhin 282 x 429 cm messenden Gemälde des Meisters, das sich heute in der Kunsthalle in Hamburg befindet.

G. Czymmek