Ein neues Gebäude für die Universität

Bild der 14. Woche - 5. bis 11. April 2010

August Sander Universitätsgebäude (Mappe 14,4.1) Fotografie, 22,7 x 29,1 cm Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Am 5. April 1935, also vor nunmehr 75 Jahren, wurde das neue Hauptgebäude der Kölner Universität mit all dem Pomp eröffnet, dessen sich das NS-Regime gerne bediente: Mit Einmarsch von Fahnenträgern der NS-Studentenschaft und der Korporationen, gefolgt von Grußworten des Oberbürgermeisters Günter Riesen (1892–1951, OB 1933–1936) und des Rektors Hans von Haberer (1875–1958, Rektor 1935–1938). Die Festrede hielt Wissenschaftsminister Bernhard Rust (1883–1945). Am Ende sangen alle das Horst-Wessel- und das Deutschlandlied. Seit der Schließung der alten Kölner Universität durch die französischen Besetzer 1798 hatte es immer wieder Versuche gegeben, eine neue Hochschule zu gründen. Die preußische Regierung gab aber 1818 Bonn bzw. 1863 Aachen den Vorzug. Dank eines Legats des Kölner Industriellen Gustav von Mevissen (1815–1899) und seiner Frau Therese geb. Leiden (1834–1901) von einer Million Mark konnte der Kölner Stadtrat 1901 die Gründung der ersten unabhängigen Handelshochschule auf kommunaler Basis beschließen. Diese erhielt 1905/07 einen Neubau am Römerpark. 1904 war zudem die Akademie für praktische Medizin ins Leben gerufen worden. Aus beiden ging schließlich die neue Universität hervor. Der Direktor der Handelshochschule, Christian Eckert (1874–1952), setzte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg für eine Wiederbegründung der Universität ein. Als Konrad Adenauer 1917 Oberbürgermeister wurde, fand er einen tatkräftigen Mitstreiter. Gleich nach Kriegsende begann dieser Verhandlungen mit dem preußischen Kultusministerium und am 20. März 1919 konnte gegen heftige Widerstände der Kölner Bevölkerung die neue staatliche Universität, deren Kosten die Stadt tragen würde, mit vier Fakultäten und 3000 Studierenden den Betrieb aufnehmen, Gründungsrektor wurde Christian Eckert. Schon bald erwies sich das Gebäude der ehemaligen Handelshochschule als zu klein. Adolf Abel (1882–1968), 1925–1930 Stadtbaudirektor in Köln und für den Umbau der Messe bzw. den Neubau der Werkschulen verantwortlich, wurde mit der Planung beauftragt. Für den Neubau am Rande des Inneren Grüngürtels genehmigte der Stadtrat, nachdem Abels ursprüngliche Planungen erheblich reduziert worden waren, 9,8 Mio Reichsmark, private Stiftungen trugen 4,5 Mio Reichsmark bei. Die Grundsteinlegung erfolgte am 26. Oktober 1929 – ein Datum, das als „Schwarzer Freitag“ in die Weltgeschichte eingehen sollte. Ende 1931 mussten die Arbeiten infolge der Weltwirtschaftskrise eingestellt werden. Gerade die Nationalsozialisten hatten den modernen Neubau anfangs heftig kritisiert: Selbst an der Macht, beschlossen sie im Juni 1933 seine Fertigstellung, finanziert durch Darlehen des Reiches. Am 2. November 1934 konnte der Neubau in Betrieb genommen werden. Abel gelang es, mit diesem Bau verschiedene Gebäudeteile zu einer Einheit zu verschmelzen. Dafür plante er drei hintereinander gestaffelte Teile: zuvorderst der breit gelagerte Verwaltungstrakt, der bis 1966/67 auch die Universitätsbibliothek beherbergte. Unter Verzicht auf architektonische Gliederungen dominiert einzig der heraustretende fünfachsige und zwei Geschoss hohe Haupteingang, hinter dem ein großes Foyer und die variable Aula liegen. Dank der Voraussicht von Carl Niessen (1890–1969) erhielt diese eine komplette Bühneneinrichtung und konnte so in der Nachkriegszeit zum Zentrum des Kölner Kulturlebens werden. Von diesem lang gestreckten Vorderteil schieben sich sechs viergeschossige Seminartrakte in die Grünanlagen vor. Die Flachdächer sollten der Erholung ebenso wie dem Studium dienen. Abels Konstruktion – zwischen ein Rasternetz aus Eisenstützen gespannte Leichtbauwände – sollten eine schnelle Anpassung der Raumgrößen ermöglichen und war ausgesprochen modern.

R. Wagner