Der Kosmos auf großem Fuß

Bild der 16. Woche - 19. bis 25. April 2010

Fußabdruck Buddhas, Burma, 18./19. Jahrhundert, Höhe 1,5 m; Köln, Rautenstrauch-Joest-Museum

Größe und Deutlichkeit dieses Fußabdruckes stehen symbolisch für die Dauerhaftigkeit, mit der Buddha, der "Erleuchtete", den Gläubigen einen wichtigen Teil seiner Lehre hinterlassen hat: 108 rasterförmig angeordnete, glückbringende Embleme bedecken die Sohle des Abdruckes. Mit einer Größe von eineinhalb Meter handelt es sich bei der lotusblattförmigen Steinplatte um eine monumentale Erscheinung. Im indisch beeinflußten Kulturraum ist die Spur oder der Abdruck von Buddhas Fuß seit alter Zeit ein wichtiges Symbol, das stellvertretend für Buddha selbst steht. In seiner Fußspur bleibt Buddha den Gläubigen wie in einer Reliquie gegenwärtig, während er ansonsten in das Nirwana, in das "Erlöschen", eingegangen ist. In diesem kann er nicht mehr angerufen werden. Eine ähnliche Ikonographie des zurückbleibenden Fußabdruckes findet sich auch in der mittelalterlichen, christlichen Kunst bei der Darstellung der Himmelfahrt Christi. Der Typus des Fußabdruckes entstand zu einer Zeit, als man Buddha noch nicht bildlich als Person darstellte, sondern nur stellvertretend durch Symbole. Zwar ist der Buddhismus in seinem Ursprungsland Indien ausgestorben, aber auch heute noch wird der Fußabdruck Buddhas von Gläubigen in den Ländern des südlichen Buddhismus verehrt. Eine derart große Steinplatte, wie unser Exemplar, war sicher in einem eigenen Schrein in einem Tempel aufgestellt - auch wenn der Fußabdruck Buddhas ebenso von den Gläubigen zu Hause verehrt wurde und wird. Die Embleme der Fußsohle versinnbildlichen die buddhistische Vorstellung über den Kosmos: Auch wenn das Blütenmotiv kompositorisch nicht im Mittelpunkt des Fußabdruckes sitzt, so symbolisiert es dennoch die Mitte des Kosmos. Diese ist umgeben von hierarchisch geordneten Himmeln, die durch kleine Pavillons repräsentiert werden. Sie sind Durchgangsstadien für den Gläubigen. Zum hier dargestellten buddhistischen Weltbild gehören ferner die Sieben Gebirge und Sieben Ozeane, die Vier Kontinente, Sonne und Mond, halbgöttliche, menschliche und tierische Wesen sowie Pflanzen. Die Fußspur Buddhas wird umrahmt und verehrt von zwei Nagas, Schlangen, die als Naturgottheiten angesehen werden und im Dunkeln der Erde leben. Dieser steinerne Fußabdruck Buddhas, in Sanskrit "Buddhapada", entstand im 18. oder 19. Jahrhundert in Burma. Dank der finanziellen Unterstützung der Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln konnte er als wichtige Neuerwerbung für das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum erworben werden.

U. WiesnerT. Nagel