Maria im Grünen

Bild der 17. Woche - 26. April bis 2. Mai 2010

Westfälischer oder Kölnischer Meister, Maria mit dem Kind im Grünen Nußbaumholz, 18,0 x 12,5 cm Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0337
Detailausschnitt

Alles neu macht der Mai Liebe Leser des Bildes der Woche, nach mehreren Jahren erscheint das Bild der Woche mit seiner 608ten Ausgabe in einem neuen Layout. Neben der Neugestaltung des Erscheinungsbildes wurde vor allem Wert auf eine bessere Präsentation und Erschließung gelegt. So kann man über die neu gestalteten Indexlisten in der rechten Spalte mithilfe der "Kalender"-auswahl direkt und damit schneller auf die BdWs der früheren Jahre zurückgreifen. Aber auch die bisher schon vorhandenen Indices sind nun besser im Blick und damit leichter erreichbar. Durch eine Volltextsuche haben Sie zudem direkten Zugriff auf das gesamte Fachwissen, das die vielen Autoren in den letzten 12 Jahren hier publiziert haben. Einen besonderen Reiz bekommt diese neue Form des BdWs jedoch durch die nun mögliche höhere Auflösung der Abbildungen. Zu Beginn des Monats Mai heute ein BdW mit Blick in den "Himmelgarten". Vielen Dank für Ihr Interesse mit freundlichem Gruß Tobias Nagel Maria im Grünen Diese kleinformative, wohl für den Privatgebrauch bestimmte Andachtstafel zeigt ein im Spätmittelalter verbreitetes Motiv, die Madonna im Grünen. In diesem Darstellungstypus verbinden sich zwei ikonographische Traditionen: Das Motiv der auf dem Boden bzw. im Grünen sitzenden Muttergottes stammt aus dem italienischen Trecento und ist dort ein Bild ihrer Demut und Bescheidenheit (madonna del’ umiltà). Gleichzeitig ist der abgeschlossene Garten bzw. „hortus conclusus“ eine Anspielung auf den Paradiesgarten sowie eine Metapher für die Jungfräulichkeit Mariens. So heißt es im Hohenlied des Alten Testament „Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born“ (4,12) – eine Passage, die gerne auf Maria hin gedeutet wurde. In ihrer Linken hält sie eine wilde Nelke, die als Marien- bzw. Passionssymbol bekannt ist: der Legende nach soll diese Blume aus ihren Tränen auf dem Weg nach Golgotha entsprungen sein. Auch aus der Etymologie wird dieser Zusammenhang noch ersichtlich, stammt der Name „Nelke“ doch vom mittelniederdeutschen „Negelken“ bzw. „Nägelchen“. [Die Verwendung hat sich bis ins 19. Jahrhundert erhalten, heißt es doch in dem berühmten, von Johannes Brahms vertonten Wiegenlied: „Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck.“] Die Gestaltung der Bergkette und der Bäume ist ein Hinweis auf die Bekanntheit des Künstlers mit der französischen Buchmalerei. Solche Mariendarstellungen erfreuten sich in Köln im 15. Jahrhundert großer Beliebtheit, da sie zum einen Ausdruck der starken Marienfrömmigkeit waren und gleichzeitig aufgrund der angewendeten Pflanzensymbolik auch sehr dekorativen Charakter hatten. Das berühmteste Beispiel für eine kölnische Weiterentwicklung des Motivs ist hierzu sicherlich Stefan Lochner „Madonna im Rosenhag“ (s. BdW 2006 - Bild der 35. Woche). Der vermutlich nichtkölnische (eher westfälische) Autor dieses Andachtsbildes bleibt uns allerdings weiterhin unbekannt, auch wenn die Experten einen Bezug zum Meister des Wasservass’schen Kalvarienberg sahen oder die Tafel sogar dem Meister der Hl. Veronika zuschrieben. Datierte wird die Tafel aufgrund stilistischer Merkmale in die Zeit um 1420-25. Offensichtlich erfreut sich das Andachtsbild auch heute noch sehr großer Beliebtheit: 1996 wurde die Tafel aus dem Museum entwendet, konnte jedoch im Juni 1997 durch die Polizei sichergestellt und dem Museum unbeschädigt zurückgegeben werden.

E. Richenhagen