Als Köln jubelte

Bild der 21. Woche - 24. bis 30. Mai 2010

Hann Trier, Plakat zur Ausstellung "Köln 1900 Jahre Stadt", 1950 Papier, Farbdruck, 115,5 x 80 cm Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung Das Plakat zeigt die Madonna aus St. Columba

Es war Ende Mai 1950 und Köln hatte sich von den äußerlich sichtbaren Zerstörungen des soweit erholt, dass es sein Stadtjubiläum mit Ausstellungen und einem opulentem Veranstaltungsprogramm feiern wollte. Dem Festakt am 25. Mai im Gürzenich folgten tags drauf die Eröffnungen der Ausstellungen „Köln – 1900 Jahre Stadt“ im Staatenhaus der Messe in Köln-Deutz - unser Bild zeigt das Plakat zur Ausstellung - und „Kölner erforschen die Welt“ im Rautenstrauch-Joest Museum für Völkerkunde am Ubierring.. Für die große stadtgeschichtliche Ausstellung, die Kölns Entwicklung von der Römerzeit bis zur Metropole des Rheinlands zeigen sollte, waren aus den provisorischen Museumsunterkünften und Depots erstmals seit der Ausstellung zum Domjubiläum 1948 Schätze aus den großen Kölner Museen zusammengeführt worden. Auch wenn die Ausstellung nach dreimonatiger Laufzeit die Zahl von gut 250.000 Besuchern anzog, ergab sich ein finanzielles Defizit von 671.000 DM. Dennoch diente sie als touristische Attraktion und mutmaßlich dem wiedererstandenen städtischen Selbstbewusstsein Kölns. Das vermittelt auch der Artikel „Köln wird wieder Fremdenstadt“ von Friedrich Ernst Meinecke, der schrieb: “Und welch ungeheurer Reichtum an Kunstschätzen gerettet wurde, offenbarte die vor kurzem zu Ende gegangene stadtgeschichtliche Ausstellung(...) Ein erfreulicher Beweis dafür, daß Kunstwerke, wie einst, immer noch Anziehungskraft auszuüben vermögen. Unsere überseeischen Gäste kommen zu einem großen Teil zu uns, um das alte Deutschland kennenzulernen; Köln kann ihnen immer noch mehr von abendländischer Kultur zeigen als manche andere europäische Stadt außer Rom.“ Leider zog es die auswärtigen Besucher nicht in die zahlreichen Festvorträge des Begleitprogramms. Der Vortrag „Niederländische und Kölner Wirtschaft in ihrer historischen Verflechtung“ zog statt gedachter 400 Hörer lediglich 22 bis 25 Personen an, wie Oberbürgermeister Ernst Schwering mit Bedauern feststellen musste. Als Abhilfe schlug er neben der Zwangsverpflichtung von Beamten folgendes vor: „Man müsste vielleicht auch jedem Teilnehmer (...) eine kleine Stärkung gewähren, (...) auf ein oder zwei Glas Bier oder ein oder zwei Schnittchen.“ Die visionäre Idee, Menschen mittels Bewirtung günstig zu stimmen, funktioniert auch heute noch bestens, betrachtet man bei Ausstellungseröffnungen das Publikum an Bar, Stehtisch oder Buffet, wie es animierte Impressionen austauscht.

B. Alexander