La vie en rose

Bild der 24. Woche - 14. bis 20. Juni 2010

Henri Eugène, Le Sidaner Le pavillon aux roses, Gerberoy, nach 1902 Öl auf Leinwand, 95,5 x 81,5 cm (mit Rahmen) Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Dep. FC 0929
Detail aus der Mitte des Gemäldes

Ein Meer von Rosen zeigt sich hier dem Betrachter: am unteren Bildrand in eher dunklen Rottönen, darüber ein kugelförmiger Strauß von großen weißen Rosen, rechts und oben rosafarbene und am Rande wieder rote Rosen. Es sind große, üppige Rosen, voll erblüht. Erst auf den zweiten Blick nimmt man das weiße Fensterkreuz in der oberen Hälfte des Bildes wahr, welches deutlich macht, dass sich unter den Rosen ein Gebäude verbirgt. Die blauen Farbflecken um das Fenster, dann auch die dunkelgrün bis schwarzen Zwischenräume zwischen den Blüten lassen die Kontur eines kleinen Pavillons deutlich werden. Jetzt erst wird erkennbar, dass der weiße Strauß wohl ein vor dem Gebäude stehender Rosenstock ist. Je mehr man sich in das Bild vertieft, um so stärker kann man den Bildraum erkennen: die gelben Blüten unterhalb der weißen Rosen füllen den Boden zwischen weißem Rosenstock und Pavillon, die roten Rosen des Vordergrundes ragen fast aus dem Bild heraus. Ein Meer an Blumen! Woran liegt es nun, dass der Inhalt dieses Bildes sich erst bei genauerem Betrachten erschließt? Henri Le Sidaner (1862 - 1939), der Maler dieses Werkes, hat mit wenigen Ausnahmen beim Fensterkreuz im gesamten Bild keine Linien eingesetzt. Das Bild besteht vielmehr fast ausschließlich aus kleinen strichartigen Farbpunkten (s. Ausschnitt). Le Sidaner übernahm mit dieser als Neoimpressionismus bzw. als Pointilismus bezeichneten Methode des Malens eine Entwicklung, welche Mitte der 1880er Jahre von Georges Seurat begründet wurde und für die Malerei als Beginn der Klassischen Moderne angesehen wird. Diese neue Malweise zielte darauf, dass sich die einzelnen Farbpunkte im Auge des Betrachters zu einem Gesamtbild vermischen. Die volle Wirkung dieser Farbe lässt sich leider nicht über einen Bildschirm erfahrbar machen.

T. Nagel