Transfer - Partially Buried

Bild der 25. Woche - 21. bis 27. Juni 2010

Renée Green Transfer - Partially Buried, 1996/1997 Videoinstallation, Digital Betacam, Ton, 5-Kanal, diverse Materialien Bildformat 4:3, Raumgröße ca. 628 x 440 cm Museum Ludwig, Köln, ML/SK 5132
Stills

Ein Jugendzimmer aus den 1970er Jahren oder ein Zimmer von heute im Retro-Look? Ebenso wie im Design des Mobiliars in der Installation von Renée Green überlagern sich in den von ihr präsentierten Fotografien, Videos und der Musik von Neil Young Vergangenheit und Gegenwart, historische Ereignisse und private Erinnerungen: So sind in den Farbfotografien an den Wänden Reste der Arbeit Partially Buried Woodshed zu entdecken, die der amerikanische Künstler Robert Smithson Anfang des Jahres 1970 auf dem Gelände der Kent State University von Ohio installierte, indem er ein vorhandenes Holzhaus mit Erde zuschütten ließ. Renée Green suchte 25 Jahre später diesen Ort in Ohio auf, an dem sie auch aufgewachsen ist – nun aber in dem Wissen, dass Smithsons Arbeit im gleichen Jahr seines Entstehens zu einer Art Mahnmal für vier Studenten wurde, die bei einer Demonstration gegen die US-Invasion in Kambodscha von der Polizei erschossen worden waren. Schwarz-weiß-Fotografien im gleichen Raum verweisen auf dieses Ereignis. Wie erinnern wir uns an politische Ereignisse, wie vermischen sie sich mit privaten Erinnerungen? Die Interviewpartner von Green, die in den Videos zu sehen sind, sind wie die Besucher aufgerufen, über diese Fragen nachzudenken. Renée Green selbst führt in ihrem Videoessay Partially Buried die Kraft des Memorierens vor. Ausgehend von der Geschichte ihrer Eltern – die Mutter um 1970 eine Musikerin der Neuen Musik an der Kent State University, ihr Vater als Soldat im Koreakrieg zwanzig Jahre zuvor, sie selbst 1959 geboren – überprüft Green das Verhältnis von persönlichem Gedächtnis und kollektiver Erinnerung, den Zusammenhang von Erlebnis und Ereignis. „Wer besitzt Geschichte? Wer kann seine Komplexität repräsentieren? Wem ist es wichtig?“ Auch wenn Green diese Frage in ihrem Essay rhetorisch nennt, so sind sie doch Herausforderung und Motivation genug, ihnen kritisch nachzugehen. 1959 in Cleveland, Ohio, USA lebt in New York und Wien

B. Engelbach