Heinrich Böll zum 25. Todestag

Bild der 28. Woche - 12. bis 18. Juli 2010

Walter Dick, Die Preisträger Heinrich Böll und Annette Kolb mit Oberbürgermeister Theo Burauen und Oberstadtdirektor Max Adenauer, 1961, Fotografie, 17,9 x 23,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Im Februar 2009 erhielt das Historische Archiv der Stadt Köln, das bereits über einen Großteil der Böll-Hinterlassenschaft verfügte, nach rund sechsjährigen Verhandlungen weitere 6400 Manuskripte, Briefe und Dokumente des weltweit bekannten Autors. Für 800 000 Euro kauften die Stadt Köln, das Land Nordrhein-Westfalen und die Kulturstiftung der Länder den wertvollen Restnachlass. Drei Wochen später, am 3. März, wurde auch der Böll-Nachlass Opfer des Archiv-Einsturzes. Nach langen politischen Querelen war Heinrich Böll 1982 die Ehrenbürgerwürde seiner Vaterstadt verliehen worden. 1986, kurz nach seinem Tod, wurde der Platz zwischen Dom und Neubau des Wallraf-Richartz-Museums/Museum Ludwig nach Heinrich Böll benannt, so dass er heute das „Herz“ Kölns markiert. Die ersten schriftstellerischen Versuche Heinrich Bölls, 1917 in Köln geboren, fallen in das Jahr 1936. Im folgenden Jahr machte er Abitur und begann eine Buchhändlerlehre in Bonn, die er nach elf Monaten abbrach, um sich nach Ableistung des obligatorischen Arbeitsdienstes an der Kölner Universität zu immatrikulieren. Den Krieg erlebte er von Anfang an als Soldat und kehrte 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in ein völlig zerstörtes Köln zurück. Seine ersten Werke erschienen im Friedrich Middelhauve Verlag, darunter 1949 sein Erstling, die Erzählung „Der Zug war pünktlich“. 1951 gewann er den Preis der Gruppe 47 für die Erzählung „Die schwarzen Schafe“. Seit 1952 war er Autor des Kölner Kiepenheuer & Witsch Verlags. 1959 erhielt er den Literaturpreis der Stadt Köln, der seit 1985 Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln heißt und der heute mit 20.000 Euro dotiert ist. Dieses Foto zeigt ihn 1961 mit der neuen Preisträgerin, der entschieden pazifistischen, deutsch-französischen Schriftstellerin Annette Kolb (Anna Mathilde Kolb, 1870–1967). 1967 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet, 1971 wählte man ihn zum Präsidenten des internationalen PEN und 1972 erhielt er den Nobelpreis, nachdem er zuvor ins Visier der deutschen Terroristen-Fahnder geraten war. Der von der katholischen Sozialbewegung stark beeinflusste Heinrich Böll engagierte sich von Anfang an in politischen und sozialen Fragen und scheute auch vor offener Kritik nicht zurück. 1974 nahm er den aus der Sowjetunion ausgewiesenen Dissidenten und Schriftsteller Alexander Solschenizyn (1918–2008) bei sich auf, 1980 ließ sich Lew Kopelew (1912–1997) nach seiner Ausbürgerung in Köln in der Nähe seines Freundes Böll nieder. 1976 später trat Heinrich Böll aus der katholischen Kirche aus. 1980 engagierte er sich für die Friedensbewegung. Böll, dem das neue Köln missfiel, hatte sich 1982 nach Bornheim-Merten im Vorgebirge, später nach Langenbroich in der Eifel zurück gezogen. Vor 25 Jahren, am 16. Juli 1985 starb Böll in Langenbroich. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof von Bornheim-Merten. 2004 verstarb auch seine Frau Annemarie (geb. 1910 als A. Čech), mit der er seit 1942 verheiratet gewesen war.

R. Wagner