Der Zoologische Garten zu Köln

Bild der 29. Woche - 19. bis 25. Juli 2010

August Beck, Der Zoologische Garten zu Coeln. Ansichten verschiedener Gebäulichkeiten nach Plan und Angabe des Direktors Dr. Bodinus, 1860, Lithographie und herausgegeben von Weber und Deckers, Köln 1860, Blatt: 19,7 x 26,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung
August Beck, Bärenzwinger, 1860, Lithographie von Weber und Deckers
August Beck, Großes Raubtierhaus, 1860, Lithographie von Weber und Deckers

Am 22. Juli 1860 eröffnet, gehört der Kölner Zoo seit 150 Jahren für die Kölner Bevölkerung zum städtischen ‚Inventar’. Der drittälteste Zoo Deutschlands (nach Berlin und Frankfurt/Main) entstand auf Initiative von Oberlehrer Caspar Garthe als bürgerliche Gründung. Eine dem Gemeinwohl und nicht der Mehrung des Kapitals verpflichtete Aktiengesellschaft erwarb ein Grundstück in Riehl, damals nördlich von Köln. In der Stadt selbst, in der sich 114.000 Einwohner auf engstem Raum drängten, war kein Platz mehr, schon gar nicht für Grünanlagen. Anlässlich der Eröffnung wurden in einer Mappe elf verschiedene lithographierte Ansichten des neuen Zoos sowie ein humoristisches Deckblatt angeboten. Sie dienten sowohl als Souvenir als auch als Werbung für den Zoo. Der Zeichner, der Schweizer August Beck (1823–1872), hatte an der Akademie in Düsseldorf studiert und lebte seit den 1860er Jahren in Dresden. Als Zeichner machte er zwischen 1859 und 1870 alle großen europäischen Feldzüge mit. Die Zoo-Bauten wurden bis zur Jahrhundertwende in exotischen Stilen errichtet, wie es dem Zeitgeschmack entsprach. Das große Raubtierhaus mit seinen halbrunden, hervorspringenden Käfigen für Tiger und Löwen beeindruckte die Besucher von Anfang an. Trotz der Gitter konnten die Besucher ganz nahe an die Tiere herantreten. Zur Illustrierung der Herkunftsregion lässt der Zeichner einen beturbanten Inder vor dem Käfig posieren – dieser hätte seinerzeit in Köln nicht weniger Aufmerksamkeit hervorgerufen als der Tiger. Der große Bärenzwinger war eine Schenkung des Kölner Architekten Franz Koch, der sich eine mittelalterliche Burganlage für die Unterbringung der Bären wünschte. Auch hier konnten die Besucher dicht an die Tiere herantreten und sie sogar füttern. Als letztes Stilgebäude entstand 1899 das Vogelhaus im Stil einer russischen Kathedrale. Es wurde bis vor Kurzem als Südamerikahaus genutzt und steht ebenso wie das 1863 gebaute alte Elefantenhaus oder die Rinderhäuser heute unter Denkmalschutz. Von Anfang an zeigte der Kölner Zoo neben vielen Vögeln und einheimischen Tieren natürlich auch Exotisches und Gefährliches – so wie es das Publikum gerne sehen wollte. Der erste Elefant zog 1865 ein, 1872 folgte mit der Schönen Marie das erste Nashorn. Mit dem heute noch bestehenden Seelöwenbecken entstand 1887 ein weiteres Prunkstück. Noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg boten die Eisbärenklippen und der bis heute beliebte Pavianfelsen eine neue Art der Tierpräsentation. Inflation und Währungsreform hatten auch die Zoo-Aktiengesellschaft nicht ungeschoren gelassen. Die Weltwirtschaftskrise traf den Zoo schwer – den Menschen fehlten die Mittel für einen Zoobesuch. Zur Bestandssicherung des Zoos wurde 1938 das Kapital der Aktiengesellschaft erhöht, wovon die Stadt Köln den größten Anteil übernahm; seitdem ist sie größte Aktienbesitzerin. Bevor der Zoo ein Opfer des Bombenkriegs wurde, waren schon alle gefährlichen Tiere weggeschafft oder – wie die dreizehn Bären – erschossen worden. Bei Kriegsende hatte der Zoo, der zahlreiche Bombenschäden erlitten hatte, noch einen Bestand von 22 Tieren, darunter zwei Zebras und das Flusspferd Änne. Schon Pfingsten 1947 konnte der Zoo wieder eröffnet werden. In den folgenden Jahren wurde der Zoologische Garten allmählich, wenn auch verändert, wieder aufgebaut. 1954 beschloss der Stadtrat, das Gelände der alten Radrennbahn nördlich einzubeziehen, wodurch der Zoo weiter wuchs und heute etwa 20 Hektar groß ist. 1971 eröffnete das Aquarium. Mit dem Lemurenhaus 1973 galt der Wiederaufbau als abgeschlossen. In den folgenden Jahren kamen neue Anlagen wie das Urwaldhaus für Menschenaffen 1985, das Freigehege für Geparden 1987 oder das Regenwaldhaus 2000 hinzu. Nach dem Elefantenpark, den mit 20.000 Quadratmetern größten und modernsten nördlich der Alpen, in dem 2006 mit Marlar das erste Elefantenkalb zur Welt kam, öffnete im Mai 2010 mit dem Hippodom eine weitere Attraktion. Seit seiner Gründung wandelte sich der Zoo von einer Schausammlung exotischer Tiere zu einer Einrichtung, die versucht, Tiere artgerecht zu halten. Darüber hinaus spielt der Kölner Zoo eine wichtige Rolle in Zuchtprogrammen zur Arterhaltung.

R. Wagner