Bild der 18. Woche - 2. bis 8. Mai 2011

Bild der 19. Woche - 9. bis 15. Mai 2011

Isatis tinctoria, der Färberwaid im Guerilla Garten, Foto: B. Alexander

Gemeinhin liegt die Illegalität des GG (Guerilla Gärtnern) darin, ohne Erlaubnis fremdes Land zu beackern. Ein zusätzliches Delikt könnte sein, verbotene Pflanzen einzubringen. Denkt man da spontan an ein üppiges Feld von sattgrünen Hanfpflanzen (die man m. W. zwar hegen aber nicht ernten darf), so ist es in Köln grundsätzlich verboten, Bäume in städtische Anlagen zu pflanzen. Und dies aus gutem Grund: Hat der Hobbygärtner irgendwann die Lust verloren, bleibt dem Gartenamt die undankbare Aufgabe, z. B. die Atlaszeder (Cedrus Atlantica Glauca, Höhe 30-50 m, Kronendurchmesser 6-10 m) davon abzuhalten, die Nachbarvegetation flächendeckend zu schattieren oder sich mit der umgebenden Architektur zu vermählen. Interessant in diesem Zusammenhang ist das Verbot des Waidanbaus, das in Köln seit dem Mittelalter existiert und wahrscheinlich – man kennt das von Türkensteuer und SOLIdaritätszuschlag – nie aufgehoben wurde. Isatis tinctoria, der Färberwaid, war die wichtigste Pflanze zum Blaufärben und bereits in der Antike bekannt. Sie wurde vorwiegend im Jülicher Land und in Thüringen angebaut, von dort wurde sie über den (Fern)Handel nach Köln importiert. Die zweijährige Pflanze wurde in Gärten oder Feldern kultiviert und ihre Blätter mehrfach geerntet. Diese wurden dann getrocknet, in Waidmühlen zermahlen, zu kleinen Kugeln oder Kuchen verarbeitet und dann in Fässern transportiert. Damit der Waid seine Farbwirksamkeit entwickeln konnte, musste er fermentieren. Mittel der Wahl: abgestandener Urin. Für die mehrfach notwendige Anfeuchtung waren die Waidgesellen zuständig. Den Pflanzenbrei gab man in beheizbare Kessel, füllte Wasser auf (und Pottasche, ungelöschten Kalk, oder was auch immer die diversen, über die Jahrhunderte variierenden Rezepturen vorgaben) und erhitzte die Melange. Mittels Stoffproben, die man in den Sud eintunkte, konnte der kundige Färber sehen, wann die maximale Färbewirksamkeit erreicht und die „Küpe“ fertig war. Jetzt musste die fertige Tinktur abgeseiht und wieder erhitzt werden, dann diente sie zu 2 – 3 Färbegängen. Wobei entweder Garn (Leinen, Seide) oder Stoff (Wolle) eingetaucht und bewegt wurde. Als nächstes wurde das fertig gefärbte Gut gespült, wozu fließendes Wasser nötig war: hier der Blaubach. Nach dem Spülen wurden die Waren aufgehängt und durch die Oxidation an der Luft entstand die blaue Farbe im Färbegut. (Juhu, können wir endlich mal wieder blau machen, jubelten da die Färbergesellen und gönnten sich einen blauen Montag…) Warum also ein Anbauverbot von Färberwaid? Die Pflanzen sterben nach dem zweiten Jahr, wachsen bestenfalls anderthalb Meter hoch, haben – soweit bekannt – keine halluzinogene Wirkung und sind obendrein recht anspruchslos, was Standort und Pflege betrifft. Der Grund ähnelt der aktuellen E 10 Debatte: wegen der im Mittelalter häufig auftretenden Hungersnöte befahlen etliche geistliche und weltliche Grundbesitzer, wie auch der hochweise Rat der Stadt Köln, das Garten- und Ackerland zur Produktion von Nahrungsmitteln zu verwenden. Bei Zuwiderhandlung wurde der Übeltäter mit einer Geldstrafe belegt und der Waid vernichtet. (Und wir Kölner Guerilla Gärtner bangen, dass unsere Waid-Plantage vom Ordnungsamt heimgesucht und alsbald brach darniederliegt, was schade wäre, soll sie doch Teil eines Ausstellungsprojektes werden, das dem „Waidmarkt“ gewidmet ist und ab dem 8. Oktober vom Kölnischen Stadtmuseum zusammen mit dem Römisch-Germanischen Museum tiefe Einblicke in einen Kölner Stadtteil zu bieten verspricht.)

B. Alexander