Ein großes Museum für Köln

Bild der 20. Woche - 16. bis 23. Mai 2011

Für die Pariser Weltausstellung von 1937: Modell eines Raumes im Haus der Rheinischen Heimat mit Statistiken und Graphiken, in dem die politische und soziale Entwicklung einer Provinz dargestellt wird.

Es war Christi Himmelfahrt und „wolkendüster“, wie die Kölnische Zeitung berichtete, als das Haus der Rheinischen Heimat (HdRhH) am 21. Mai 1936 feierlich in Anwesenheit von Gauleiter Grohé und Ehrenabordnungen von SS, SA und Hitlerjugend mit Ansprachen von Oberbürgermeister (Carl-) Günter Riesen, Museumsdirektor Prof. Dr. Ewald und Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, eröffnet wurde.i Bis es zur Eröffnung dieses damals größten der Kölner Museen kam – mit rund 11.000 m2 Ausstellungsfläche war es weitläufiger als alle übrigen Häuser zusammen – hatte es gut 10 Jahre Vorlauf gebraucht. Dabei handelte es sich um eine Genese besonderer Art – man wollte die Objekte der Jahrtausendausstellung der Rheinlande unterbringen. Diese Ausstellung, die vom 15. Mai bis zum 15. August 1925 lief, sahen in den drei Monaten 1,3 Millionen Besucher. Bereits während der Laufzeit kam dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer der Gedanke, sie auf Dauer zu installieren: „Wie Ihnen bekannt sein wird“, wandte er sich an Oberregierungsrat Dr. Peusquens, „besteht der Plan, in Köln ein Rheinhistorisches Museum zu gründen, in welchem vor allem sehr viele der wertvollen Gegenstände gezeigt werden sollen, die zur Zeit auf der hiesigen Jahrtausendausstellung gezeigt werden.“ Den Grundstock der Sammlungen des Rheinischen Museums, der weitaus geläufigere Name für das HdRhH, bildeten die übernommenen Bestände an Fotografien, Modellen, Gipsabdrücken, Tabellen, Pläne, Graphiken und neben diesem didaktischen Instrumentarium auch Realien wie Heiligenfiguren, bäuerliches Gerät, Schützensilber, Judaica, eine Zinngießerei und eine Kölner Küche. Mittlerweile gehörten knapp 15.000 inventarisierte Objekte zum Fundus, der neben den vorerwähnten Originalensembles zahlreiche Schautafeln und rund einige hundert Modelle umfasste. Es gab Modelle rheinischer Städte, einzelner Häuser und öffentlicher Profanbauten, von Schiffen, Rheinbrücken, des weiteren 12 Flugzeugmodelle, Modelle von Stiften, Klöstern und Kirchen; alles, was nicht im Original zur Anschauung gebracht werden konnte, wurde als Modell reproduziert. Zusammen mit den Berliner Kaiser-Friedrich und Pergamon-Museum wurde das HdRhH als Typ des neuen Heimatmuseums ausgewählt, Deutschland 1937 auf der Pariser Weltausstellung zu vertreten. Neben einigen nicht besonders anziehend anmutenden Exponaten (4 Schützenfähnchen - fälschlicherweise als Speerfahnen deklariert -, eine Schreibgarnitur aus Westerwälder Steinzeug und das Schiffsmodell eines Oberländers) sollte das zentrale Ausstellungshighlight ein Diorama sein: das Modell eines Raumes aus dem HdRhH. Ausgestellt wurde ein Raum mit Statistiken und Graphiken, in dem die politische und soziale Entwicklung einer Provinz dargestellt werden sollte. Auch wenn das Raummodell den Charme einer Ausnüchterungszelle versprühte, erhielt das HdRhH eine Goldmedaille für vorbildliche Didaktik und Konzeption. Diese und die dazugehörige Urkunde sind noch erhalten; das Modell (leider?) nicht mehr.

B. Alexander