Im Land der Morgenstille, Teil 3: Ein „Großer General“ im Alten Korea

Bild der 28. Woche - 11. bis 17. Juli 2011

Koreanische volksreligiöse Holzpfeiler am Wegrand, Generälen der Unterwelt gewidmet – Foto: Adolf Fischer 1905
Dorfwächter, Holz, Höhe 229 cm , Korea, Ende 19. Jh. Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin Foto: Alexandra Malinka, Düsseldorf
Dorfwächter, Holz, Höhe 291 cm , Korea, um 1895 Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin Foto: Alexandra Malinka, Düsseldorf

Auszüge aus Adolf Fischers „Erfahrungen auf dem Gebiete der Kunst und sonstige Beobachtungen in Ostasien“, vorgetragen in der Sitzung vom 19. Dezember 1908, veröffentlicht in der „Zeitschrift für Ethnologie“, Jahrgang 1909, Heft 1. „Mit dem Beginn der jetzigen Dynastie, 1392, schloss Korea seine Entwicklung ab, es ging ganz in der chinesischen Kultur auf und verlor vollends seine Individualität, von der wir uns heute kein rechtes Bild mehr machen können. Was wir über dem Erdboden sehen, lässt nur vage Schlüsse über die altkoreanische Kultur zu, die angeblich ihre Entwicklung dem Buddhismus verdankt; aber unter der jetzt über Korea herrschenden Dynastie wurde diese Religion mit Feuer und Schwert unterdrückt und der Konfucianismus zur Staatsreligion erhoben. Nichtsdestoweniger wurzelt das Schamanentum tief im koreanischen Volk, das beweisen die vor vielen Ortschaften stehenden Wegweiser, eine Art Lokalgottheiten, roh geschnitzte, bunt bemalte Baumstämme, in die oben eine menschliche Fratze, meist mit fletschenden Zähnen, geschnitzt ist; oftmals ist der Bart durch eingesetzte Haarbüschel angedeutet. Diese Pflöcke, denen das Volk große Ehrfurcht erweist, zu denen es betet, und denen es Opfer bringt, heissen auch „lange Mönche“, meist aber werden sie „grosser General“ genannt. Inschriften auf denselben sind nicht leicht zu deuten. Da stand in grossen Buchstaben eingeschnitzt die Grösse der Entfernung von einem Ort zum anderen, dazu die etwas schwer verständlichen Worte: „Ein grosser General in der Welt“, was mir so erklärt wurde, dass jeder Koreaner im Innersten seines Herzens wünscht, ein grosser General zu werden. So kriegerische Ambitionen würde man diesem gutmütigen schlappen Volk, das im letzten Kriege in seinem Lande zwei fremde Nationen um seinen Besitz kämpfen liess, ohne Partei zu ergreifen, gar nicht zutrauen! Wird aber so ein „grosser General“ morsch und fällt um, dann ist es mit dem Respekt, den der Koreaner ihm früher bewiesen hat, aus, dann trampelt er pietätlos auf ihm herum.“ Zwei Beispiele für solche „große Generäle“ oder Dorfwächter (s. kleine Fotos) können in der derzeitigen Sonderausstellung „Entdeckung Korea! – Schätze aus deutschen Museen“ noch bis zum 17. Juli 2011 bewundert werden.

Redaktion Bild der Woche