Das Sommerloch

Bild der 39. Woche - 26. September bis 2. Oktober 2011

Installation von Steve Wheen, the pothole gardener; Foto: Stephanie Wolff
Mobiles Grün im Kölner Neuland
Mauerblümchen mit Rose, Enzian und Schaf

Der Kölner – ob Imi oder eingeboren – hat einen besonderen (Be-)Zug zum Loch. Kaum ist der Schnee geschmolzen, ärgert er sich über was? Das Schlagloch. Kommt der 1. Mai und damit nicht nur der Tag, wo sich Menschen, geschmückt mit roten Nelken, am Hans-Böckler-Platz zwecks öffentlicher Huldigung der Arbeit treffen, sondern auch der Internationale Guerilla-Gärtner-Tag. Da ruft dann Richard Reynolds, der englische Guru der Bewegung, zum Sonnenblumen säen auf. Und hier in unserer heimischen Bananenrepublik zitiert der Präsi seine Untertanen mit einem Monat Verspätung zum Pflanzen und alle kommen und buddeln fröhlich was? Pflanzlöcher. Das scheint ansteckend zu sein, denn bereits einen Monat später, Anfang Juli 2011 stürmen 170 Guerilla Gärtner, geeint als Initiative „Neuland“ die Brache der ehemaligen Dombrauerei an der Alteburger Straße, entmüllen das Areal und füllen endlos viele Löcher mit Rosmarin, ausgewachsenen Sonnenblumen und installieren einen mobilen Gemeinschaftsgarten, der bei Bedarf auch umziehen kann. Das konterte der oberste Bananenrepublikaner nicht mit Ausdehnung der Guerillazone, sondern – wie es sich für einen Visionär gehört – in die Höhe: Er ließ eine mehr als mannshohe Hanfplantage (hoppla, Tippfehler, recte:) Hanfpalme in die Mitte der Insel setzen, die fortan seinen Untertanen beim Wässern Schatten spendet und weithin sichtbares Zeichen der prosperierenden Republik ist. Zurück zu den Schlaglöchern, deren Ausbesserung die Kölner Presse während des Sommerlochs gern gedenkt. Egal, ob die gefühlten 100.000 Kölner Schlaglöcher wirklich bis zum nächsten Winter verfüllt sind oder (wahrscheinlich eher) nicht, dem Thema mangelt es deutlich an Attraktivität. Ganz anders in der Kommune London, wo Steve Wheen als ‚Schlaglochgärtner‘ (http.//thepotholegardener.com) poetische kleine Gärten und Installationen in die hässlichen Asphaltfurchen pflanzt. Das trug ihm zwar noch nicht den OBE ein, doch gab ihm die britische Presse den Ehrentitel „The Banksy of Guerrilla Gardening“ (The Sun). Dergestalt inspiriert, machten sich die Kölner Guerilla Gärtner flugs ans Werk und bastelten ein kleines Mauerblümchenidyll und mussten erfahren, wie vergänglich solche Kunst ist: am Freitag da, am Montag weg. (Schnüff, ars longa, vita brevis.)

B. Alexander