Avantgarde für alle!
Zum 100. Geburtstag der GAG Köln

Bild der 11. Woche - 11. bis 17. März 2013

Blick in die Museumswohnung im Stile der 1920er Jahre (Weimarer Straße 15), Foto: GAG, Fotograf: Ralf Berndt. - Öffnungszeiten: Mo. 14-16 Uhr, Di. 10-12 Uhr, Mi. 10-12 Uhr für Schulklassen; jeden 1. und 3. Sonntag im Monat 14-16 Uhr
Blick in die Museumswohnung im Stile der 1920er Jahre (Weimarer Straße 15), Foto: GAG, Fotograf: Ralf Berndt.

Die Industrialisierung hatte in Köln zwar spät eingesetzt, dafür aber die gesellschaftlichen und alltäglichen Umstände umso intensiver erfasst und verändert. Die Einwohnerzahl hatte sich schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem alten Stadtgebiet nahezu ver-doppelt. Auch nach der Erweiterung der Stadt jenseits der niedergelegten Stadtmauer und auf der anderen Rheinseite stieg die Zahl der Einwohner rasant weiter: In den Jahren zwischen 1890 und 1910 legte die Kölner Bevölkerung um über 200.000 auf rund 520.000 zu. Die meisten Neukölner waren Angehörige der unteren Schichten, die in den in Köln ansässi-gen Fabriken arbeiteten. Insbesondere in der Altstadt, wo ein Großteil der Gebäude schon sehr alt war, waren die Wohnbedingungen der Arbeiter sehr schlecht. Aber auch in den an-deren Stadtteilen entsprachen Arbeiterwohnungen nicht den Anforderungen an Hygiene und Komfort: So gab es vielfach kein eigenes Bad, nur eine zentrale Wasserstelle, keinen Strom-anschluss und keine Zentralheizung. Die Wohnungen waren teilweise völlig überbelegt, bis zu drei Großfamilien teilten sich ein Haus. Durch die enge Bebauung fehlte es sowohl an Lichteinfall als auch an natürlicher Belüftung und Grünflächen zur Erholung. Kurz gesagt, einige Straßenzüge in Köln müssen Slums geglichen haben. Doch die Wohnungen waren nicht nur schlecht, es waren auch zu wenige. Grundstücksspe-kulationen hatten schon in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Köln den Wohnraum für Arbeiter knapp und teuer gehalten. In den 1900er Jahren kamen aufgrund von wirtschaftli-chen Schwankungen nicht genügend neue Wohnungen hinzu. 1909 wurden z.B. nur rund 1600 neue Wohnungen gebaut, während gleichzeitig fast 100 Wohnhäuser abgerissen wur-den. Die Schaffung von angemessenem Wohnraum für die zahlreich in die Stadt drängenden Arbeiter wurde zu einem der dringlichsten Probleme des frühen 20. Jahrhunderts. Vielfach versuchten kleinere Genossenschaften dem Problem Herr zu werden. Sie finanzier-ten den Bau einzelner kleinerer Siedlungen und oftmals waren die späteren Mieter selbst am Bau der Häuser beteiligt. Einige Dutzend solcher Genossenschaften gab es in Köln, die aber aufgrund ihrer geringen Kapitalkraft das Wohnungsproblem nicht lösen konnten. Der Versuch, die vielen kleinen Genossenschaften unter einem Dach zu vereinen, scheiterte. Erst nach 1918 entstand die „Arbeitsgemeinschaft gemeinnütziger Kölner Bauvereinigungen“, die aber keine konkrete Zusammenarbeit bei Bauprojekten beförderte. Insbesondere der Erste Bei-geordnete Konrad Adenauer und der Abgeordnete Wilhelm Greven versuchten schon vor dem Krieg, eine andere und umfassendere Lösung für das Problem zu finden. Angedacht war die Schaffung einer Aktiengesellschaft zum Grunderwerb und Wohnungsbau. Eine Ge-nossenschaft sollte dann die Verwaltung der entstehenden Wohnungen übernehmen. Die Gründung der „Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Wohnungsbau, GAG“ erfolgte am 18. März 1913. Ziel der AG war es laut Satzung „der minderbemittelten Bevölkerung gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen billig und preiswert [zu] verschaffen“. Rund die Hälf-te des Aktienkapitals von 1,22 Millionen Mark zeichneten Privatpersonen und Unternehmen. In Zeiten konjunktureller Unruhe waren viele wohlhabende Kölner Bürger auf der Suche nach einer sicheren Investition. Die andere Hälfte der Aktien verblieb in Händen der Stadt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – Konrad Adenauer war inzwischen Kölner Oberbürgermeister – wurde das Stammkapital auf 6,5 Millionen Mark erhöht. Unser Bild: In der Weimarer Straße 15 hat die GAG in Kooperation mit dem Kölnischen Stadtmuseum eine Wohnung eingerichtet, in der die Möblierung und der Wohnalltag der 1920er Jahre mit ausgewählten Exponaten des Stadtmuseums gezeigt werden. Bewohner der Siedlung und der Museumsdienst Köln bieten regelmäßig Führungen durch die Muse-umswohnung an. Im nächsten Bild der Woche setzen wir den Blick auf die Geschichte der GAG – exemplarisch – am Beispiel der Germaniasiedlung in Höhenberg fort.

S. Pries