Der Kölsch-Brauer

Bild der 31. Woche - 1. August bis 7. August 2016

Peter H. Fürst: Der Kölsch-Brauer: Richard Teufel, 1986 (Foto: RBA)

Der "Kölsch-Brauer" - ein ebenso schlichter wie treffender Titel für eine Fotoaufnahme, und gleichzeitig Programm. Der "Kölsch-Brauer" gehört zu einer Serie des 1939 in Österreich geborenen und in Köln wirkenden Fotografen Peter H. Fürst: "Porträts Kölner Persönlichkeiten. 70 Fotografien" (1987). Fürsts Serie ist ein Querschnitt durch kölnische Gesellschaftsstrukturen, dabei aber keineswegs repräsentativ. Die Auswahl folgt vielmehr den subjektiven Vorlieben des Fotografen. Fürst wollte zudem alle Aufnahmen im Studio durchführen, unter gleichen Bedingungen, und der Serie damit einen konzeptionellen Charakter verleihen. Darauf musste aus terminlichen Gründen gelegentlich verzichtet werden (Roswitha Neu-Kock).

Dennoch zeigt die Serie eine einheitliche Linie. Fürst schuf zusammen mit seinem Mitarbeiter Ralf Baumgarten während der Fototermine eine Gesprächssituation. Damit konnte sich die Individualität jedes einzelnen Charakters entfalten, völlig frei von Posen und künstlichen Attitüden. Zugleich bewirkte dieser kleine Kunstgriff die Einbeziehung der späteren Bildbetrachter, die die Rolle eines Gesprächspartners einnehmen. Das "Close up", also der enge gewählte Bildausschnitt und der neutrale Hintergrund unterstreichen diese Wirkung.

Unser Bild der Woche zeigt den "Kölsch-Brauer". Es handelt sich um Richard Teufel, der bis zum Februar 1995 Geschäftsführer der damals noch privaten Sester Brauerei war. Der Franke Teufel, aus Neustadt an der Aisch stammend, gelangte nach dem Studium des Brauereiwesens in Weihenstephan (Freising) und Stationen in Wertheim/Main und Unna nach Köln. Hier machte er Sester Kölsch binnen weniger Jahre zu einer der führenden Marken auf dem regionalen Biermarkt und die Brauereipferde von Sester zu einem lebenden Logo. 

Es ging damals nicht um Innovation auf dem Biermarkt, wie sie in den letzten Jahren an Alkopop-Getränken, Light-Bieren, Brausevarianten oder dem jüngsten Craft Beer-Hype abzulesen ist. Das Motto von Sester war auch das Motto von Teufel: "Hält Kölle un uns Braukunst en Ihre". Der Zeitpunkt der Fürstschen Aufnahme ist biergeschichtlich eher eine Phase von Rückbesinnung, Festigung und Definition des Markenkerns von "Kölsch". 

Denn sie fällt in die Zeit der Kölsch-Konvention. Im März 1986 unterzeichneten die Geschäftsführer der 24 Kölsch-Brauereien im Beisein von Oberbürgermeister Norbert Burger im Hotel Excelsior ein Dokument, das die Bedeutung von "Kölsch" festlegt. Mit der Kölsch-Konvention verpflichteten sich die Kölsch-Brauereien, für den Biertyp und die geografische Herkunftsbezeichnung einzutreten und sich an die Konvention zu halten. Demnach ist Kölsch ein "nach dem Reinheitsgebot hergestelltes helles, hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes (d.h. gefiltertes) obergäriges Vollbier" mit einem Stammwürzegehalt zwischen 11 und 15,9%. Kölsch darf laut Konvention ausschließlich in Köln und Umgebung gebraut werden. Der Konvention war eine jahrelange Prüfung durch die Aufsichtsbehörden und das Bundeskartellamt vorausgegangen. 

30 Jahre Kölsch-Konvention also. Im 500. Jahr des Deutschen Reinheitsgebotes. Nach dieser ältesten noch geltenden Lebensmittelgesetzgebung darf auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nur Bier gebraut werden, das ausschließlich aus Hopfen, Gerste, Malz und Wasser besteht. Es gibt aber noch weitere Gründe, ausgerechnet jetzt an Richard Teufel zu erinnern. Zum einen wäre er vor kurzem, am 29. Juli, 89 Jahre alt geworden. Und zum anderen wird in dieser Woche, nämlich am ersten Freitag im August, alljährlich der Internationale Tag des Bieres begangen. Er verfolgt drei Ziele: Freunde treffen, um gemeinsam Bier zu genießen; jene Männer und Frauen zu ehren, welche das Bier brauen und servieren; und gemeinsam die Biere aller Nationen und Kulturen zu feiern und damit die Welt zu vereinen. Das hätte dem Kosmopoliten Richard Teufel gefallen.

Der Fotograf Peter H. Fürst verdankt seine internationale Karriere übrigens nicht seinen Porträts. sondern seinen Mode- und vor allem Dessousaufnahmen. Eines seiner Werke befindet sich sogar in der Fotografischen Sammlung des Museum Ludwig: Danielle im schwarzen Dessous. Das hätte Richard Teufel auch gefallen.

M. Hamann