Die zweiköpfige Gazelle

Bild der 32. Woche - 8. August bis 14. August 2016

Tür, Bastar-Region, Chhattisgarh, Indien, 19. Jh. Holz, H 154 cm. 
Erworben mit Mitteln der Orientstiftung, Köln, Inv.-Nr. RJM 60608 (Foto: RBA Köln)

In diese Woche, genauer gesagt: auf den 9. August, fällt der Tag der indigenen Völker. Er wird veranstaltet, um die Rechte der indigenen Bevölkerung zu fördern und zu schützen. Der Aktionstag würdigt auch die Leistungen und Beiträge, die indigene Bevölkerungsgruppen leisten, um internationale Fragen wie den Umweltschutz zu verbessern. Der Tag der indigenen Völker wurde zuerst von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 1994 ausgesprochen, anlässlich des Tags des ersten Treffens der UN-Arbeitsgruppe für indigene Bevölkerungsgruppen im Jahr 1982. 

Das Rautenstrauch-Joest-Museum ist der Ort in Köln, an dem man sich am intensivsten mit autochthonen Bevölkerungsgruppen beschäftigt und die Türen zu anderen Welten öffnet. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Eine der Museumsabteilungen zeigt 13 Türen, die gewissermaßen einen Weg zu anderen Kulturen öffnen. Türen stellen auch "Visitenkarten" des Hauses dar und werden deshalb häufig besonders verziert. So wie unser Obekt der Woche.

Die zweiflüglige Haustür ist mit zehn packenden figuralen Szenen beschnitzt: Man meint einen Jäger mit Gewehr und Hund zu erkennen, den Kampf mit einem Tiger, einen Reiter, der in sein Horn bläst, zwei Pfauen sowie eine zweiköpfige Gazelle. Die Tür stammt von einem Lehmhaus der Bastar-Region. Die mit Schnitzereien reich verzierten Türen der Dorfhäuser wurden mitgenommen, wenn man das alte Haus aufgab und ein neues errichtete. In den in jüngerer Zeit üblichen Zementhäusern werden diese Türen nicht mehr verwendet.

Die Bastar-Region in Ostindien wird überwiegend von Adivasi, den Nachfahren der indigenen Bevölkerung Indiens, bewohnt. Die Region ist Teil des indischen Bundesstaates Chhattisgarh, dessen natürliche Ressourcen wie Tropenholz, Eisenerz und Wasser die Basis des wirtschaftlichen Aufschwungs bilden, von dem jedoch die lokale Bevölkerung nicht profitiert.

Die Adivasi werden verdrängt, und das Land, das sie früher frei nutzen konnten, gelangt mehr und mehr in Besitz privater Großgrundbesitzer und der nationalen Mineraliengesellschaft. Es ist also mehr als angebracht, in dieser Woche die Tür zu ihnen zu öffnen.

B. Majlis