Eine ganz besondere Währung: Höllen- oder Totengeld

Bild der 34. Woche - 22. August bis 28. August 2016

„Höllengeld" (Motiv: Jadekaiser und acht daoistische Genien), Hongkong, frühes 21. Jh. Papier, farbig bedruckt, didaktische Sammlung des Museumsdienstes Köln im MOK (Foto: Annette Bügener)

Obwohl in China streng genommen nur der 15. Tag des siebten Monats nach dem Mondkalender als „Fest der hungrigen Geister“ (Zhongyuan jie: 中元節) gilt, wird häufig gleich der gesamte siebte Monat des Mondkalenders als "Geistermonat" (guiyue: 鬼月) bezeichnet. Nach unserem Kalender dauert er in diesem Jahr vom 03. bis 31. August. Es ist also ein guter Zeitpunkt, um dieses ungewöhnliche Objekt vorzustellen.

Im "Geistermonat" suchen die Geister Verstorbener den Kontakt zu den Lebenden . Deshalb bringt man ihnen spezielle Speiseopfer dar und entzündet Lichter als Wegweiser. Außerdem werden Opfergeld und andere Papierobjekte als symbolische Opfergaben verbrannt. In buddhistischen Tempeln finden besondere Zeremonien zu Ehren der Geister von Verstorbenen statt. In diesen Tagen denkt man auch besonders an die Geister unselig Verstorbener, die man mit Opfergaben zu besänftigen sucht.

Insbesondere die Opfer von Gewaltverbrechen oder Verstorbene ohne Nachkommen, für die kein Angehöriger regelmäßig Opferhandlungen durchführen kann, gelten als potenziell bedrohlich. Sie müssen besonders besänftigt werden, damit sie keine Rache an den Lebenden nehmen. Abergläubische Personen halten sich im Geistermonat an bestimmte Tabus und vermeiden es ein neues Auto zu kaufen, nachts spazieren oder schwimmen zu gehen.

Das speziell für Opferzwecke angefertigte Papiergeld wird auch als Höllengeld oder Totengeld bezeichnet. Es zeigt laut Aufdruck hohe Zahlenwerte in Millionenhöhe und wird von der „Höllenbank“ heraus gegeben. Die bunten Scheine sind mit unterschiedlichen glücksbringenden Motiven und Sinnsprüchen oder mit Heilsfiguren aus dem Buddhismus oder Daoismus bedruckt. Traditionell wird es zu verschiedenen Anlässen verbrannt, die mit der Besänftigung von Geistern von Verstorbenen zu tun haben.

Durch das Verbrennen sollen die auf den Scheinen aufgedruckten Summen von der weltlichen in die Sphäre der Geistwesen gelangen. Da in traditionellen chinesischen Vorstellungen die übernatürlichen Verhältnisse ein Spiegelbild der irdischen sind, ist es auch in der Geisterwelt von großem Vorteil über große Geldmittel zu verfügen, nicht zuletzt um Höllenrichter und deren Beamte wohl gesonnen zu stimmen.

C. Stegmann-Rennert