Sheikh Amadou Bamba auf dem Wasser betend

Bild der 40. Woche - 3. Oktober bis 9. Oktober 2016

Mamadou Sall: Sheikh Amadou Bamba auf dem Wasser betend, 2015. Glas, Pigment, Bindemittel, Inv. 67398 (Foto: RBA)

Sheikh Amadou Bamba (1853–1927) war einer der großen islamischen Mystiker Westafrikas. Ende des 19. Jh. gründete er die Sufi-Gemeinschaft der Mouriden, die einen friedfertigen Islam predigt und sich durch eine hohe Arbeitsmoral auszeichnet. Da die französische Kolonialbesatzung seine Macht fürchtete, musste er viele Jahre im Exil verbringen. Es existiert nur ein Foto von ihm, das während seines anschließenden Hausarrests im Senegal aufgenommen wurde. Dieses Bildnis des Sheikh beinhaltet die segenspendende Kraft baraka. Reproduktionen finden sich daher in ganz Senegal als Hinterglasmalerei, Poster, Wandgemälde auf zahlreichen Häusern, an Geschäften und Autos.

Sheikh Amadou Bamba gilt auch als antikolonialer Held. Seine Zeit im Exil führte zur Bildung vieler Legenden, die sein Ansehen erhöhten. So soll er – wie auf dieser Hinterglasmalerei des senegalischen Künstlers Mamadou Sall dargestellt – auf dem Wasser gebetet haben, als die Franzosen ihm auf seinem Weg ins Exil das Gebet an Bord des Schiffes verboten. Seine Anhänger sagen, Allah habe Sheikh Amadou Bamba ins Exil geschickt und die Franzosen seien nur ein unwissendes Werkzeug Allahs gewesen. Daher wird bis heute jedes Jahr am Tag der Verbannung Sheikh Amadou Bambas ins Exil das große Pilgerfest „Grand Magal“ gefeiert.

An diesem Tag – dem 18. Tag des islamischen Monats Safar – pilgern zwischen zwei und fünf Millionen Mouriden in die heilige Stadt Touba im Senegal. Nach seinem Tod 1927 war Sheikh Amadou Bamba hier beerdigt worden. Sein Mausoleum in der Großen Moschee bildet eines der Hauptziele der Pilger während des Grand Magal. Nachts werden in der ganzen Stadt zu Ehren Allahs religiöse Texte gesungen. Am Morgen des Magal sprechen die Pilger ein Gebet und feiern anschließend mit einem großen Essen. Jeder Pilgernde stellt sich selbst eine Aufgabe, wie er während des Magal der Gemeinschaft dienen kann, um so Allah und den Sheikh zu ehren.

Touba bildet eine der 14 Szenen der Ausstellung „Pilgern – Sehnsucht nach Glück?“, die vom 8.10.2016 bis zum 9.4.2017 im Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt zu sehen sein wird. Der Künstler Mamadou Sall wird aus dem Senegal anreisen und während der ersten Ausstellungswoche die Wände der Touba-Szene mit dem segenspendenden Bildnis des Sheikh Amadaou Bamba verzieren.

C. Himmelheber