Die Anfänge des Rheinischen Bildarchivs

Bild der 46. Woche - 14. November bis 20. November 2016

Besucher vor Messeamt, Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande 1925 Köln, Deutz (Foto: RBA 034 346)

Teil 1 der Serie zum 90-jährigen Jubiläum des Rheinischen Bildarchivs

Hohe Politik und praktischer Sinn standen zu gleichen Teilen Pate an der Wiege des Rheinischen Bildarchivs. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Rheinland durch alliierte Truppen besetzt. Die Franzosen unterstützten mit viel Propaganda rheinische Separatisten, die – in unterschiedlichen Formen – für die Loslösung der Rheinlande von Preußen und eine stärkere Hinwendung zu Frankreich eintraten.

Dies betrachteten nicht nur Politiker mit Argwohn, sondern auch Wissenschaftler. Historiker der rheinischen Universitäten, allesamt erzkonservativ und preußisch-monarchistisch eingestellt, sahen sich in der Verantwortung, die tiefe Verbundenheit des Rheinlands mit Deutschland herauszustellen und das Rheinland als vom Wesen her »urdeutsche« Landschaft mit ebensolcher Bevölkerung zu charakterisieren. Von diesen Gelehrten ging die Anregung aus, das Jahr 1925 zum Anlass einer »Tausendjahrfeier« zu machen. Im Jahre 925 unterwarf sich Herzog Giselbert von Lothringen der Herrschaft Königs Heinrich I. 

Lothringen hatte nach dem Aussterben der ostfränkischen Karolinger 911 zunächst dem Königtum des ersten nichtkarolingischen Herrschers Konrad I. fern gestanden. Das Datum war an sich nicht sonderlich bedeutend, aber schien ideal, um einen großartigen Feiertag voll rheinisch-nationaler Symbolik zu inszenieren. Der Erfolg war durchschlagend und zeigt, wie wenig Anklang letztlich das französische Werben um die Rheinländer gefunden hatte. In allen großen und in sehr vielen kleineren Städten wurden Feiern und prächtige Umzüge, Konzerte, Sportwettkämpfe und Ausstellungen veranstaltet.

Die größte Ausstellung fand als „Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande“ von Mai bis August 1925 in den neuen Messehallen in Köln statt und hatte gut 1,4 Millionen Besucher. Die Fotografie zeigt das neue Messeamt und dokumentiert den Besucherandrang.

In einer bis dahin noch nie gesehenen Schau präsentierte man über 10.000 Objekte. Im ersten, historischen Teil wurde die politische und kulturelle Entwicklung vor allem durch Kunstwerke veranschaulicht. Die erhaltenen Raumaufnahmen bestätigen Reichhaltigkeit und Qualität. Die Stadt Köln beauftragte anlässlich der Jahrtausend-Ausstellung sechs Fotografen, die sowohl die nun leicht an einem Ort erreichbaren Kunstwerke in Sachaufnahmen dokumentierten als auch deren Präsentation im Raum mit Kontexten erzeugenden Sichtachsen und Gruppierungen in ihren Bildern festhielten. Sie legten damit nicht nur einen Grundstock an Sachaufnahmen von Kunstwerken aus dem gesamten Rheinland, sondern auch die Basis für die über die Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaute Sammlung an Ausstellungsdokumentationsfotografie.

Der zweite Teil der Jahrtausend-Ausstellung galt der Gegenwart mit Selbstdarstellungen der Städte, einzelner Wirtschaftszweige, großer Konzerne sowie zahlreicher Gewerkschafts- und Sozialverbände. Auf diese Weise wurde aus einer bürgerlich-nationalistischen Geschichtsdarstellung eine moderne Leistungsschau, zumal das Jahr 1925 einige Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland einleitete. In diesem Teil der Ausstellung wurden die Großstädte der Rheinprovinz, Industrie, Handwerk, Handel und öffentliches Leben gezeigt. Für auffällig viele Exponate zur Veranschaulichung dieser Themen griff man auf Fotografien zurück.

Angesichts der mit wenigen Monaten extrem kurzen Vorbereitungsdauer der Ausstellung wurde offensichtlich der hohe Nutzen der Stellvertreterfunktion der Fotografie erkannt und konsequent eingesetzt. Sie konnte schnell hergestellt, leicht transportiert und kostengünstig präsentiert werden.

Der Direktor des Historischen Museums der Stadt Köln, Wilhelm Ewald, suchte eine pragmatische Lösung für die mehreren Tausend Bildplatten und Abzüge, die nach der Jahrtausend-Ausstellung einer geeigneten Lagerung, fachgerechten Betreuung und sinnvollen Verzeichnung bedurften. Er plädierte dafür, die bereits bestehenden fotografischen Sammlungen in einem Bildarchiv zusammenzuführen und durch Neuaufnahmen auszubauen.

1926 gilt als Geburtsjahr des Rheinischen Bildarchivs, weil zum 1. Mai ein hauptamtlicher Leiter eingestellt wurde: der bislang am Bildarchiv Foto Marburg tätige Joseph Boymann, studierter Kunsthistoriker und erfahrener Fotograf.

L. Böhringer