Mami Wata. Zum Internationalen Tag der Migranten (18.12.)

Bild der 50. Woche - 12. Dezember bis 18. Dezember 2016

Salah Moses: Skulptur der Mami Wata, Ghana, 1996. Holz, farbig gefasst, H 41 cm, Inv. RJM 64284 (Foto: RBA)

Seit dem Jahr 2000 gilt der 18. Dezember als Internationaler Tag der Migranten. Menschen, Ideen und Objekte bewegen sich jedoch nicht erst seit einigen Jahrzehnten, sondern seit Jahrtausenden über den Globus. Ein schönes Beispiel für die Migration von Ideen ist Mami Wata, die hellhäutige westafrikanische Gottheit mit Wurzeln in Übersee. Sie ist Teil des Götterpantheons des westafrikanischen Voodoo, nicht zu verwechseln mit dem karibischer Voodoo, den viele hier in Deutschland nur in seiner verzerrten Version aus Horrorfilmen kennen.

Voodoo ist eine Glaubensgemeinschaft mit rund 60 Millionen AnhängerInnen weltweit. Im westafrikanischen Benin ist er eine der offiziell anerkannten Religionen. Schon die Entstehung des Voodoo ist geprägt von ganz unterschiedlichen Einflüssen: Westafrikanische Sklaven nahmen ihren Glauben mit in die Karibik, wo er sich mit anderen, vor allem christlichen Einflüssen mischte. Zurückgekehrte Sklaven brachten den Voodoo nach Westafrika, wo er sich wiederum mit lokalen und christlichen Glaubensvorstellungen, aber auch mit denen der indischen Händler Westafrikas mischte.

Die Figur der Mami Wata verbindet diese zahlreichen unterschiedlichen Strömungen in sich. Sie geht unter anderem zurück auf westafrikanische Vorstellungen von Wassergeistern, in ihrer Ikonographie bezieht sich jedoch auf das Plakat einer so genannten „samoanischen Schlangenbeschwörerin“ das in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts anlässlich einer Hagenbeck'schen Völkerschau gedruckt wurde. Dieses Plakat gelangte nach Indien, erfreute sich dort großer Beliebtheit, wurde reproduziert und gelangte so auch in die Geschäfte indischer Händler in Westafrika, wo es afrikanischen Künstlern als Inspiration für die heute weit verbreitete Darstellung der Mami Wata mit Schlange diente.

Mami Wata besitzt auch die typischen Charakteristika einer Meerjungfrau. Meerjungfrauen sind ein weltweites Phänomen – sie tauchen in Europa, Brasilien, Alaska und Indonesien auf. Sie besitzen zwar regional ganz unterschiedliche Bedeutungen, meist gelten sie jedoch einerseits als schön und verführerisch, aber andererseits auch als gefährlich und zerstörerisch. So schenkt auch Mami Wata ihren Gläubigen einerseits finanziellen Wohlstand, verwehrt ihnen aber anderseits den traditionellen Reichtum – den Kindersegen. Ihre Anhänger sehen in Mami Wata die Verursacherin ihrer Unfruchtbarkeit und hoffen auf Heilung durch Anbetung.

Mami Wata gilt als schöne, hellhäutige Frau aus Übersee, das heißt aus Sicht von Afrikanerinnen und Afrikanern, eine Frau aus Europa oder den USA. Und wie diese Frauen, die man durch die Kolonialzeit aber auch später als Touristinnen oder Mitglieder der Expatriat-Gemeinschaften kennt, mag Mami Wata westliche Konsum- und Luxusgüter. Häufig bildet sie die zentrale Figur eines Altars, auf dem Symbole von Schönheit und westlichem Wohlstand präsentiert werden wie Parfüm, Porzellan und Alkohol, aber auch Bilder katholischer Heiliger und hinduistischer Gottheiten.

C. Himmelheber