Bundespräsident ade!

Bild der 11. Woche - 13. März bis 19. März 2017

Peter H.Fürst: Der Bundespräsident a. D.: Dr. Walter Scheel, 1987, Köln, Rheinisches Bildarchiv Köln (Foto: RBA Köln)

Am 17. März wird Bundespräsident Joachim Gauck von der Bundeswehr mit einem Großen Zapfenstreich im Park von Schloss Bellevue verabschiedet. Dann wird Frank-Walter Steinmeier dort residieren und als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland wirken. Was Gauck, der nur eine Amtszeit lang Bundespräsident war, dann machen wird, ist noch unklar. Wie seine Amtsvorgänger wird er aber sicherlich eine Person des öffentlichen Lebens bleiben. Wie Walter Scheel beispielsweise, dessen Präsidentschaft den meisten wegen seines Hits "Hoch auf dem Gelben Wagen" im Bewusstsein bleiben dürfte - ein Lied, das er 1973 für die Aktion Sorgenkind (heute. Aktion Mensch) aufgenommen hat und das sogar Nr. 5 der deutschen Hitparade wurde.

Scheel ist der Star in unserem diesmaligen Bild der Woche. Dort erscheint er als Ganzfigur, leicht nach vorne gebeugt, im eleganten Anzug, die Linke auf Brusthöhe angehoben. Das Porträt des Kölner Fotografen Peter H. Fürst ist mit "Der Bundespräsident a.D." bezeichnet und entstammt seinem Fotobuch "Portraits Kölner Persönlichkeiten". Fürsts Serie ist ein Querschnitt durch kölnische Gesellschaftsstrukturen, dabei aber keineswegs repräsentativ. Die Auswahl folgt vielmehr den subjektiven Vorlieben des Fotografen. Doch wie kommt der in Solingen gebürtige Scheel in eine Auswahl berühmter Kölner?

Als Scheel 1979 auf eine erneute Kandidatur verzichtete, folgte ihm Karl Carstens als neuer Bundespräsident nach und die Familie Scheel verließ die Villa Hammerschmidt, den Sitz des Staatsoberhauptes in der Bonner Republik. Ab 1980 war Scheel als Vorsitzender des Aufsichtsrates der bundeseigenen, aber privatwirtschaftlich geführten Deutschen Entwicklungsgesellschaft DEG tätig. Und deren Sitz ist Köln, hier lebe die Familie mehrere JAhre lang. Die DEG war 1962 als "Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit mbH"gegründet worden. Das Konzept stammte von Kai-Uwe von Hassel, damals schleswig-holsteinischer Ministerpräsident, und dem ersten Entwicklungshilfeminister der Bundesrepublik, einem FDP-Politiker namens Walter Scheel. Die DEG sollte die Länder der damals so genannten "Dritten Welt" beim Aufbau der Privatwirtschaft unterstützen und den deutschen Mittelstand auf seinem Weg in die internationalen Märkte begleiten. Auf die weltweite Rezession zu Beginn der 80er Jahre reagierte die DEG mit einem strukturellen Wandel. Sie wurde vom Entwicklungsförderer zum Finanzierungsinstitut, das sich an an internationalen Bankenstandards ausrichtet.

Der Beginn dieses Wandels fällt in die Zeit des Aufsichtsratsvorsietzenden Scheel. Er ist aber in unserem Bild der Woche nicht als harter Geschäftsmann oder als elder statesman in Szene gesetzt, sondern erscheint jovial, offen und weltgewandt. Diese Eigenschaften prägten den Rheinländer Scheel. Ihm wurde ein Hang zu schönen Dingen und gutem Essen nachgesagt. Es ist Peter H. Fürst hier wie in der ganzen Serie, von ein anderes Beispiel bereits erschienen ist, gelungen, die Persönlichkeit des Porträtierten in den Mittelpunkt zu stellen, nicht sein Amt. 

M. Hamann