Deutsch-türkischer Dialog im "Bosporus"

Bild der 16. Woche - 17. April bis 23. April 2017

Gerda Laufenberg: Essen verbindet Städte, Kulturen und Religionen, 2001 (Privatbesitz Gerda Laufenberg; noch bis 14. Mai als Leihgabe im Kölnischen Stadtmuseum)

Das Ergebnis des Referendums in der Türkei über die Einführung eines Präsidialsystems ist gefallen. Eine knappe Mehrheit hat mit "Ja" gestimmt und damit den Weg zu umfassenden Machtbefugnissen für den Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan geöffnet. Zugleich hat es den Weg zu einer Versöhnung zwischen den sich gegenüber stehenden Lagern enger gemacht. Bereits im Vorfeld gab es nicht nur in der Türkei, sondern auch zwischen der Führung in Ankara und verschiedenen europäischen Staaten scharfe Töne, die in dem Vorwurf, Deutschland würde Nazi-Methoden anwenden, gipfelten. Oft steht Köln dabei im Mittelpunkt. Hier gab es in den Vorjahren große Wahlkampfkundgebungen der Regierungspartei AKP, hier fanden nach dem Putschversuch des Jahres 2016 Demonstrationen für den Präsidenten statt.

Es ist unklar, wie die Situation sich entwickeln wird - einfacher wird der Dialog aber sicher nicht werden. Da wünscht man sich geradezu Orte herbei, die den Austausch zwischen Deutschen und Türken ermöglichen. Von einem solchen Ort soll hier die Rede sein. Es handelt sich aber nicht um einen Verein mit einer bestimmten Agenda oder einen politisch gewollten Round Table, sondern um ein Restaurant, also um einen Ort des Austausches, der wie geschaffenen für Köln ist - einer Stadt, in der das Reden ein Teil der DNA ist.

Das „Bosporus“ am Eigelstein hat gehobene türkische Küche und Weltoffenheit wie kaum ein anderes Restaurant in Köln miteinander vereint. Das Besitzerehepaar Ali und Yasemin Balaban wollte einen Beitrag zur Verständigung der Kulturen leisten. Balaban kam vor über 30 Jahren von Istanbul nach Köln. Den Wunsch, Architektur zu studieren, legte er bald ab. Er entschied sich dafür, den Kölnern die Genüsse und Schätze seiner Heimat näher zu bringen. Dank der erstklassigen Qualität wurde das Restaurant als erstes und bislang einziges türkisches Restaurant in die Feinschmeckergilde der „Chaîne de Rôtisseurs“ aufgenommen und 2013 vom Schlemmer-Atlas zum Ausländischen Restaurant des Jahres gekürt.

Zahlreiche Gäste aus Politik und Kultur zog es in die Weidengasse: Fatih Akin, Alfred Biolek, Gerhart Baum, Jörg Immendorf, Sibel Kekilli, Markus Lüpertz oder A.R. Penk konnte man dort treffen. Das Bosporus war jedoch kein Promiladen, sondern ein Ort für ungezwungene und offene Gespärche. Unser Bild der Woche zeigt die Leichtigkeit, mit der die Brücke zwischen Rhein und Bosporus funktionierte. Gerda Laufenberg, Malerin und Illustratorin aus Köln-Rodenkirchen, hat in ihrem Aquarell ein Seil zwischen den Domspitzen und einem Minarett gespannt. Darauf vollführen Töpfe ihre Kunststücke, aus denen es verführerisch dampft. Dom und Moschee reichen sich über die Wellen des Bosporus und des Rheins hinweg die Hände und werden von einem Sternenband begleitet, das entfernt an die Sterne der Europaflagge erinnert.

Das Restaurant schloss 2013 seine Pforten. Die Familie Balaban übergab große Teile der Einrichtung an das Kölnische Stadtmuseum, darunter auch das Gästebuch. Wer darin blättern würde, würde auch darauf stoßen, dass der frühere OB Norbert Burger dort mit dem heutigen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan speiste. Lang ist's her ... Aus aktuellem Anlass zeigt das Kölnische Stadtmuseum nach bis zum 14. Mai eine kleine Ausstellung zur Familie Balaban und zum deutsch-türkischen Austausch.

M. Hamann