Eis in der Wüste

Bild der 19. Woche - 8. Mai bis 14. Mai 2017

Boris Becker: Eishockey Doha Katar, 2005, Fotografie. 40,8 x 40,8 cm, Köln, artothek, Inv.-Nr. 2010.001 (Foto: RBA), (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Seit dem 5. Mai läuft in Köln und Paris die IHHF 2017, die Eishockey- Weltmeisterschaft, die die Stadt am Rhein in den nächsten Wochen noch beschäftigen wird. Während die Vorrunde mit 16 Teams an beiden Spielstätten ausgetragen wird, werden die beiden Halbfinal-Partien und das Finale auf der Kölner Schäl Sick stattfinden. Köln hat also wieder einmal die Chance, sich von seiner gaistlichen Seite zu zeigen.

Kölner Austragungsort ist die Lanxess Arena, errichtet an der Stelle der ehemaligen Kölner Sporthalle. Dort ist die Heimat der Kölner Haie, die den Puck mit großem Erfolg über das Eis schieben. Oba uch die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Und welche Mannschaften sich am Ende der Meisterschaft, beim Finale am 21. Mai, gegenüberstehen werden, ist ungewiss. Eines ist jedoch sicher: Es wird nicht die Mannschaft aus Qatar sein, wie auch sonst keine aus dem Nahen Osten. Diese haben sie überhaupt nicht qualifiziert.

Qatar jedoch hat mit unserem Objekt zu tun. Unser Bild der Woche zeigt die Fläche eines Eisstadions aus der Vogelperspektive. Wüssten wir nicht, wo der Kölner Fotograf Boris Becker seine Aufnahme gemacht hat, aus dem Bild könnten wir es nicht herauslesen.

„Doha, Katar“, so lautet der Titel der Fotografie aus dem Jahre 2005. Ein Eisstadion mitten in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist also der Bildgegenstand. Der Betrachter blickt von oben in die lichtdurchflutete Halle, auf deren weißer Eisfläche sich die Sportler, alt und jung nebeneinander, wie Spielzeugfiguren ausmachen. Die Schatten, die die Sonnensegel und die Stahlkonstruktion des Glasdaches auf die Eisfläche werfen, unterstreichen diesen Eindruck. Sie wirken fast wie die Struktur auf einem Brettspiel. Die insgesamt sieben Personen, die im Bild zu sehen sind, bilden keine Mannschaft, oder aber haben noch nicht zusammengefunden. Außerdem sind sie unterschiedlich gekleidet. Nur der Junge am unteren Bildrand ist durch sein Trikot und den Eishockeyschläger eindeutig als kleiner Spieler gekennzeichnet. Von den übrigen abgewandt, wirkt er fast etwas verloren, während die anderen sechs das gleiche Ziel zu verfolgen scheinen. Was das jedoch sein könnte, das weiß nur der Fotograf.

Beckers Aufnahme ist keine Sportszene. Ihn interessieren vielmehr die Strukturierung der weißen Fläche, die sich durch die Personen und die Schattensetzungen ergeben. So erreicht er einen hohen Abstraktionsgrad, der in einem fast diametralen Gegensatz zu Dynamik des schnellen Sports auf dem Eis steht. Zugleich wirkt die Szene wie eine Parabel auf modernes Stadtleben, bei dem alles zu jeder Zeit an jedem Ort möglich ist.

Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaften, die in Köln spielen, zu einem besseren Miteinander finden als die spielzeughaften Gestalten in der Eisarena von Doha.

M. Hamann