Zwischen Frühling und Sommer

Bild der 25. Woche - 19. Juni bis 25. Juni 2017

BernardSchultze: Lichter Sommer-Frühling, 2001, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm (WVZ 01/102), Köln, Museum Ludwig, Inv.-Nr. NaBS0775 (Ti 153) (Foto: RBA Köln)

So abstrakt es auch wirken mag - unser aktuelles Bild der Woche hat einen sehr konkreten Titel: "Lichter Sommer-Frühling" hat Bernhard Schultze dieses Gemälde aus seinem Spätwerk genannt. Tatsächlich prägt eine helle Farbpalette, in der Gelb und Grün dominieren, das Bild. Hinein mischen sich jedoch blaue, rote und violette Farbtöne, bis schließlich die ganze Farbenpracht des Sommers vertreten zu sein scheint. Das Farbgewirr scheint sich oberhalb der Mitte zu konrekten Formen zu verdichten - fast glaubt man, in einigen dunkleren Partien, die waag- und senkrecht verlaufen, pflanzenhafte Elemente zu erkennen. Doch im nächsten Augenblick löst sich alles wieder in einem Farbrausch auf, der vor allem ein Gefühl zurücklässt: eines von Sommer eben.

Bernard Schultze (1915-2005) gehörte zu den führenden Vertretern einer gestisch-abstrakten Malerei, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden war. Zusammen mit Karl Otto Götz und an­deren hatte er 1952 die Künstlergruppe Quadriga gegründet und damit die Geburtsstunde des Informel in Deutschland eingeleitet. Schultze ließ sich in seiner Arbeit von dem Surrealisten André Bretin leiten, der im Unbewussten ein Leitmotiv des Kunstschaffens sehen wollte. Schultze entwickelte eine ganz eigenständige Bildsprache, die schwer mit der seiner Zeitgenossen vergleichbar ist. Seine Farbschöpfungen wuchern oftmals derart über die Leinwand, dass man Gestalten zu erkennen glaubt oder seine Assoziationen auf der Leinwand wiederfindet.

Das Mu­se­um Lud­wig verfügt über ei­nen Teil des kün­st­lerischen Nach­lass­es von Ber­nard Schultze, der von 1968 bis zu seinem Tod in Köln lebte.  2015 hat das Museum die Werke in einer Hom­mage zum ein­hun­dert­sten Ge­burt­s­tag des Künstlers ausgestellt. Dazu gehört auch unser Bild der Woche, dessen Farb- und Formenreichtum uns einlädt, unseren eigenen Sommer darin zu suchen und zu finden.

M. Hamann